Studie

Die problematische Heterogenität in der Windenergiebranche

Eine Roland-Berger-Studie konstatiert, dass die Windenergiebranche vor einem Strukturwandel steht. Für den Übergang von der Pionierbranche zur Massenindustrie müssten die Hersteller wachsen und sich effizienter aufstellen. Eine Konsolidierung sei unumgänglich.

Strompreise© Gina Sanders / Fotolia.com

München (red) - Die Branche steht vor einem Strukturwandel. Waren in diesem Markt bisher hauptsächlich Pionierunternehmen aktiv, verschieben sich die Gewichte zunehmend - mit den entsprechenden Folgen für Hersteller und Zulieferer. Immer stärker engagieren sich große Energieversorger, die mit der Windkraft ihren Energiemix erweitern. Dadurch nimmt die Größe der Projekte zu, und es wächst der Druck zur Kostensenkung und Standardisierung. Gleichzeitig drängen neue Anbieter auf den Markt, was zu Überkapazitäten geführt hat. Der Studie von Roland Berger Strategy Consultants zufolge sei eine Konsolidierung der Branche unumgänglich. Hersteller müssten wachsen, sich effizienter aufstellen und ihre Kosten senken, um bestehen zu können. Auch die Zulieferer müssten sich entsprechend anpassen.

"Die Windkraftanlagenbauer sind im Moment noch eine sehr heterogene Gruppe", sagt Studienautor Manfred Hader. Diese umfasse reine Windenergie Pioniere, die bisher etwa die Hälfte des Markts unter sich aufteilen, ebenso wie eine ganze Reihe von regionalen Playern und traditionellen Maschinenbauunternehmen, die vor allem durch Zukäufe ihren Marktanteil immer weiter ausbauen. "Der Markt ist in Bewegung und wird sich in den kommenden Jahren völlig neu strukturieren."

Ein starker Faktor ist dabei die wachsende Nachfrage von großen Energieversorgern, die mit immer größeren Windparks ihren Energiemix erweitern und so den Herausforderungen durch den CO2-Emissionshandel und steigende Preise für fossile Rohstoffe begegnen wollen. Um solche Großprojekte umsetzen zu können, schließen die Energieversorger mit einzelnen Herstellern Rahmenvereinbarungen mit dem Ziel, die Wertschöpfungskette systematisch zu standardisieren und zu industrialisieren. "Dadurch steigt der Wettbewerb unter den Herstellern und der Druck, die Kosten zu senken, nimmt zu", so Hader. "Dazu kommt, dass in China in den vergangenen Jahren zahlreiche neue Hersteller von Windkraftanlagen entstanden sind und jetzt auf den Weltmarkt drängen."

Die Experten kommen zu dem Schluss, dass sich die Windkraftanlagen-Branche von einer Pionierbranche zu einer klassischen Industrie entwickeln muss. Das Motto müsse daher lauten: "Werde groß und stelle dich industriell auf - oder steig aus", so Matthias Spott von Roland Berger. Gleichzeitig ändern sich die Anforderungen der Hersteller an ihre Zulieferer. Diese müssten die Hersteller in ihrem globalen Wettbewerb unterstützen, unter anderem durch Standardisierung und Modularisierung sowie durch niedrigere Kosten.