Regionale Unterschiede

Die Ökostrom-Ziele der Bundesländer

Die Pläne zum Ökostrom-Ausbau sind von Bundesland zu Bundesland recht unterschiedlich. Während Nordrhein-Westfalen seinen Ökostrom-Anteil bis 2025 auf 30 Prozent bringen will, hat sich Rheinland-Pfalz das Ziel von 100 Prozent Ökoenergie bis 2030 gesetzt.

Solarenergie Windenergie© visdia / Fotolia.com

Mainz (dpa/red) - Es ist ein Ziel, das viel Energie verlangt: In 16 Jahren soll aus den Steckdosen in Rheinland-Pfalz nur noch Ökostrom kommen. Die erste grüne Wirtschaftsministerin eines Flächenlandes, Eveline Lemke, kämpft seit ihrem Amtsantritt vor drei Jahren für mehr erneuerbare Energien - vor allem für mehr Windkraft. Sie zeigt sich zuversichtlich, auch wenn es Widerstand gegen Windräder gibt.

"Wir sind auf dem richtigen Weg, um unser Ziel zu erreichen", sagt Lemke. "Die Erzeugung aus erneuerbaren Energien hat sich in den letzten Jahren dynamisch entwickelt, im Bereich Windenergie lagen wir Ende 2013 mit einer installierten Leistung von 2303 Megawatt über Plan."

Pläne der anderen Länder

Auch andere Länder haben ehrgeizige Pläne: Brandenburg peilt bis 2030 einen Anteil von 100 Prozent Erneuerbarer an. Das Kohleland Nordrhein-Westfalen will im Vergleich dazu bis 2025 einen Öko-Anteil am Stromverbrauch von mehr als 30 Prozent. Sechs Länder installierten 2013 noch mehr Windenergieleistung als Rheinland-Pfalz: Niedersachsen, Brandenburg, Sachsen-Anhalt, Schleswig-Holstein, NRW und Mecklenburg-Vorpommern.

Warum so unterschiedliche Ziele?

Warum haben die Länder so unterschiedliche Ziele? Das Deutsche Institut für Wirtschaftsforschung (DIW) sieht die Gründe in den regionalen Potenzialen, den politischen Rahmenbedingungen, der Ausgangslage und der Akzeptanz in der Gesellschaft. Das Ziel von Rheinland-Pfalz erscheine "angesichts der vorhandenen Potenziale durchaus als realistisch", sagt der DIW-Vizeleiter für Energie, Jochen Diekmann. "Der erreichbare Ausbau ist allerdings abhängig von den längerfristigen Förderkonditionen (Erneuerbare-Energien-Gesetz) und auch von der gesellschaftlichen Akzeptanz, insbesondere der Windkraftanlagen."

Windparks auch im Wald

In Rheinland-Pfalz steuerten die erneuerbaren Energien - allen voran Windkraft - im vergangenen Jahr nach Angaben des Wirtschaftsministeriums bereits ein Viertel zum Stromverbrauch bei. Bis 2030 ist es noch weit. Auf zwei Prozent der Landesfläche, was etwa viermal der Fläche von Mainz entspricht, sollen künftig Windparks stehen, auch im Wald. 94 Prozent des Landes kommen dafür gar nicht in Frage, zum Beispiel das Mittelrheintal, im Rest wird nach weiteren Standorten gesucht. Die Zahl der Windräder soll nach Lemkes Angaben bis 2030 von etwa 1.200 auf rund 2.650 wachsen.

Furcht vor steigenden Strompreisen

Wirtschaft, Umweltverbände und CDU-Opposition sind skeptisch. Die Unternehmerverbände fürchten unter anderem, dass die Strompreise deutlich steigen könnten. Umweltorganisationen warnen vor einer ungesteuerten Verteilung der Windräder nach dem Gießkannenprinzip. Die CDU im Mainzer Landtag hält das rot-grüne Ziel von 100 Prozent Öko-Energien beim Stromverbrauch für "völlig unrealistisch".

"Das ist mit den Planungen des Bundes nicht vereinbar und unrealistisches rot-grünes Wunschdenken", sagt CDU-Fraktionsvize Christian Baldauf. Aus CDU-Sicht fehlt ein Masterplan: "Nicht zuletzt beim Netzausbau droht dadurch eine Kostenexplosion." Die Regierung wolle wohl keine Etappenziele, weil sich dann zeige, dass die Ziele scheiterten.

Kritik: Zerstörte Landschaften

Wirtschaftsministerin Lemke setzt unbeirrt ihren Weg fort. Die Grüne sagt aber auch: "Windkraftanlagen sind in der Tat sichtbar. Manche Menschen finden sie auch einfach nicht schön." Wie das Bündnis Energiewende für Mensch und Natur, in dem sich 37 Bürgerinitiativen aus Rheinland-Pfalz und dem Saarland zusammengeschlossen haben.

"Da wird eine Landschaft zerstört - und die Leute können nicht mehr ihre Fenster öffnen", sagt der Vorsitzende Uwe Anhäuser. "Das hört sich an wie ein startender Jumbo." Große Windräder, die höher als 50 Meter sind, müssen allerdings spezielle Lärmrichtwerte einhalten. Lemke gibt sich trotz der Kritik zuversichtlich: "Die Akzeptanz bei diesem Thema ist nicht gebrochen."

Quelle: DPA