Startseite
Nach den Wahlen

Die Ökostrom-Branche reibt sich die Hände

Hoffen auf eine schnelle und nachhaltige Energiewende: Nach den Landtagswahlen in Baden-Württemberg und Rheinland-Pfalz reiben sich Wind- und Solar-Branche die Hände. Sie erwarten nun deutlich bessere Geschäfte. Die Börsenhändler sahen das am Montagvormittag genauso.

Stromleitung© Gina Sanders / Fotolia.com

Berlin (dapd/red) - Die Aktien des Windanlagen-Herstellers Nordex schossen zeitweise um fast 11 Prozent nach oben. Auch Solarworld-Aktien wurden zeitweise um 9,3 Prozent teurer. Die Wirtschaftsprüfer von PwC erwarten, dass die japanische Reaktorkatastrophe weltweit zu mehr Firmenübernahmen und Investitionen bei erneuerbaren Energien führt.

"Wir gehen davon aus, dass jetzt die weiteren Weichen gestellt werden für den zügigen Ausbau der erneuerbaren Energien, also auch für den Wind", sagt Felix Losada, Sprecher von Nordex in Hamburg. "Unsere Turbinen sind besonders effizient für Schwachwind-Regionen wie Baden-Württemberg, Rheinland-Pfalz und Bayern."

Gleiche Aussage bei der deutschen Tochter des dänischen Weltmarktführers Vestas: "Dieser politische Wechsel wird der Windkraft sicher helfen. Und unsere Anlagen können im Unterschied zu früher nun auch die Potenziale windschwacher Regionen besser nutzen", sagt Sprecher Andreas Eichler.

"Von dem Wahlergebnis und der hohen Wahrscheinlichkeit einer grün-roten Landesregierung erwartet die Windenergie-Branche jetzt, dass sich Baden-Württemberg endlich in Richtung einer Politik pro Wind bewegt", fügt der Präsident des Bundesverbands Windenergie, Hermann Albers, hinzu. Auch Andree Böhning von Greenpeace sagt: "Wir erwarten, dass Baden-Württemberg die Energiewende einleiten wird. 20 Jahre lange hatte die Landesregierung Strom aus Windkraft nur als lästiges Übel angesehen."

"Windenergie-Branche im Südwesten bislang ausgebremst"

Die Folge: Baden-Württemberg ist bei der Windenergienutzung Schlusslicht unter den Flächenländern. Laut einer Studie des Berliner Instituts für ökologische Wirtschaftsforschung (IÖW) im Auftrag des Bundesverbands Windenergie (BWE) und von Greenpeace wurden 2010 nur 15 Megawatt Leistung an Windstrom im Südwesten hinzugebaut.

"Die Branche wurde dort bislang ausgebremst", sagt BWE-Sprecher Alexander Sewohl. So lag das Flächenland weit abgeschlagen auf dem drittletzten Platz aller Bundesländer, noch hinter dem Stadtstaat Bremen mit 28 Megawatt, dem kleinen Saarland mit 29 Megawatt und dem ebenfalls nicht großen Thüringen mit 37 Megawatt. Spitzenreiter war Niedersachsen mit 290 Megawatt, vor dem Binnenland Brandenburg mit 234 Megawatt zugebauter Leistung 2010.

"Dabei gibt es ein riesiges Potenzial selbst in Baden-Württemberg", sagt Greenpeace-Experte Böhning. "Wir schätzen, dass die installierte Leistung bis 2020 fast verfünffacht werden kann." Selbst die alte Stuttgarter Landesregierung hatte in einem Windenergie-Atlas kurz vor der Wahl große Möglichkeiten eingeräumt. Im November vergangenen Jahres hatte sie noch ein Programm zum Ausbau der Windkraft für die kommenden Jahre vorgelegt, mit dem der Zubau vervierfacht werden sollte.

Weniger Hochspannungsleitungen von der Küste erforderlich

Ein weiterer Vorteil des Ausbaus im Südwesten ist laut Böhning, dass weniger Hochspannungsleitungen von der Küste nach Baden-Württemberg erforderlich wären, wenn die Windkraft dezentral dort erzeugt würde, wo sie auch gebraucht werde.

"Das letzte Wochenende hat gezeigt, dass an einem schnelleren Ausbau der erneuerbaren Energien kein Weg vorbei führt und dieser ganz oben auf der Wunschliste der Menschen steht", sagt der Geschäftsführer des Bundesverbands Solarwirtschaft, Carsten Körnig. In ganz Deutschland sei ein Ausbau der Stromerzeugung aus Solarenergie von derzeit 17 auf 70 Gigawatt im Jahr 2020 möglich. Ins gleiche Horn tutet Manfred Wiegand, Partner beim Wirtschaftsprüfungsunternehmen PwC: "Es ist absehbar, dass die großen Versorger in vielen Ländern ihren Energiemix zugunsten der erneuerbaren Energien verändern werden."