Zurückhaltung

Die Lager sind voll: Kaum jemand tankt Super E10

Die Kaufzurückhaltung der Verbraucher beim neuen "Biokraftstoff" E 10 stellt die Mineralöl-Wirtschaft zunehmend vor Probleme. Weil es wegen der Skepsis der Autofahrer derzeit ein großes Überangebot an E10 gibt, müsse möglicherweise bereits am Freitag die erste Raffinerie ihre Produktion herunterfahren.

Stromzähler© Gina Sanders / Fotolia.com

Berlin (afp/red) - Davor warnte der Hauptgeschäftsführer des Mineralöl-Wirtschaftsverbandes (MWV), Klaus Picard, am Mittwoch in Berlin. Eine Alternative wäre mittelfristig die Rückkehr zum traditionellen Superbenzin - doch dann drohten den Anbietern empfindliche Strafzahlungen.

Seit Anfang Februar wird an den deutschen Tankstellen schrittweise der Kraftstoff E10 mit zehnprozentiger Beimischung von Bioethanol angeboten. Daneben gibt es an den bereits umgestellten Tankstellen in der Regel nicht mehr das traditionelle Superbenzin, sondern nur noch das teurere Super Plus. Auf dieses sind besonders die rund zehn Prozent der Autofahrer angewiesen, deren Fahrzeuge nicht für E10 geeignet sind. Tatsächlich werde Super Plus aber zur Zeit von rund 70 Prozent der Autofahrer getankt. Dies führe auf der einen Seite zu Lieferengpässen bei Super Plus; auf der anderen Seite seien die Tanks voll mit E-10-Kraftstoff, der nicht abgesetzt werden kann.

Picard rief daher die Autofahrer nachdrücklich auf, wann immer möglich, E10 zu tanken. Dies sei "für 90 Prozent der Pkw mit Benzinmotor kein Problem". Angaben dazu stellen die Hersteller sowie Automobilclubs im Internet zur Verfügung. Auch Bernd Mayer vom Verband der Internationalen Kraftfahrzeughersteller (VDIK) warb für den Wechsel zum "Biokraftstoff", mit dessen Einführung die Mineralöl-Wirtschaft gesetzliche Vorgaben umsetzt.

Allerdings ist E10 trotz der Bezeichnung "Biokraftstoff" auch aus ökologischen Gründen umstritten. So warnen Umweltverbände sowie der umweltorientierte Verkehrsclub Deutschland (VCD) vor einer insgesamt ungünstigen Klimabilanz, weil gefährdete Ökosysteme stärker unter Druck geraten, wenn die Nachfrage nach Agrarland für den Anbau von Energiepflanzen steigt - auch wenn in Deutschland Nachhaltigkeitskriterien diesen Effekt vermeiden sollen. Ein weiterer Nachteil von E-10 ist ein im Vergleich zu traditionellem Super laut Picard um etwa 1,5 Prozent höherer Benzinverbrauch. Im Vergleich zu Super Plus ist der Unterschied beim Verbrauch noch größer.

Alternativen haben Autofahrer vor allem noch in Norddeutschland. Dort wird außer im Raum Berlin E10 bislang kaum angeboten, sondern weiterhin traditionelles Super. Insgesamt wurden bundesweit laut Picard rund 45 Prozent der Tankstellen bereits umgestellt. Die weitere Umstellung stockt derzeit wegen der Absatzprobleme bei E-10. Auch zwischen den Anbietern gibt es bei Tempo und Ausmaß der Umstellung deutliche Unterschiede.