Mammut-Transport

Die größte Gasturbine der Welt rollt durch Bayern

Die nach Herstellerangaben größte Gasturbine der Welt hat ein Gewicht von 440 Tonnen und ist seit Montag auf Bayerns Landstraßen unterwegs. In Irsching soll die Turbine in einen derzeit noch im Bau befindlichen Block des Gaskraftwerks eingebaut werden.

Stromzähler© Gina Sanders / Fotolia.com

Irsching (ddp/sm) - Ein riesiges Gefährt mit 20 Achsen und 160 Reifen ist seit Montag von Kelheim zum Gaskraftwerk Irsching im Landkreis Pfaffenhofen unterwegs. Um den etwa 30 Meter langen und fünf Meter hohen Konvoi auf den oft schmalen Straßen zu rangieren, sind bis zu acht Männer einer belgischen Spezialfirma erforderlich. Transportiert wird die nach Angaben der Hersteller größte Gasturbine der Welt mit einem Gewicht von rund 440 Tonnen. Zusammen mit dem Transportfahrzeug wird ein Gesamtgewicht von rund 650 Tonnen erreicht. Das ist so viel, wie etwa 17 voll beladene Lastzüge.

Einer der Männer bedient neben der hoch aufragenden, silber und weiß verkleideten Turbine ein Steuerpult mit zwei Hebeln und einer Reihe von Schaltern. Seine Anweisungen bekommt er aus einem Walkie-Talkie, mit dem er mit den Kollegen auf allen Seiten des Gefährts verbunden ist. Doch es braucht mehr: "Da gehört schon ein wenig Gefühl und Übung dazu, das zu fahren. Einen speziellen Führerschein gibt es aber nicht", sagt einer der Männer in einer kurzen Rangierpause. Grinsend fügt er hinzu: "Michael Schumacher hat das Rennautofahren ja auch nicht einfach so gelernt."

Beim Rangieren liegen oft nur wenige Zentimeter zwischen der Turbine sowie Verkehrsschildern und Bäumen. Immer wieder werden die 80 Zwillingsreifen bewegt, lenken nach rechts, nach links. Der Motor einer riesigen Öldruckpumpe, die alleine so groß wie ein Auto ist, heult immer wieder auf und sorgt für die 450 PS des hydraulischen Antriebs.

Auf der Straße wird der Tieflader, der aus mehreren Einzelfahrzeugen nach Bedarf zusammengesetzt wird, von zwei vierachsigen Zugmaschinen bewegt. Jede davon leistet 600 PS. "Dann schalten wir den eigenen Antrieb des Tiefladers ab", erläutert einer der Männer, "aber wir müssen dann nachlenken oder den Transport heben und senken." Die Achsen lassen sich hydraulisch in der Höhe verstellen, damit das Fahrzeug nicht durchhängt. "In Kurven müssen wir die Neigung ausgleichen, sonst würde alles umkippen", sagt der Transportbegleiter, während er seinem Funkgerät lauscht.

Bereits seit 3. Mai ist die Turbine unterwegs - zunächst vom Werk der Siemens-Kraftwerkstochter Power Generation in Berlin per Schiff nach Kelheim und seit Montag auf der Straße Richtung Irsching, wo sie zu Pfingsten erwartet wird. Höchstens Tempo 15 schafft der Konvoi. Doch immer wieder muss er anhalten. "Wir müssen enge Kurven innen mit Stahlplatten auslegen, damit nichts kaputt geht", sagt einer der Männer. Einige Verkehrsschilder, Ampeln, Zäune, Stromleitungen und andere Hindernisse müssen zunächst weichen und werden anschließend wieder montiert.

Dass es nicht immer ganz ohne Berührungen abgeht, davon zeugen ein paar welkende Zweige, die sich in den armdicken Ketten verfangen haben, die die Turbine festhalten. "Wir haben aber bisher noch keinen Schaden angerichtet. Normalerweise passiert das auch nicht", sagt einer der Transportbegleiter stolz. Der Weg des Gefährts wurde in monatelanger Kleinarbeit geplant. Denn für eine derartige Last ist kaum eine Brücke ausgelegt.

Doch ganz ohne Brücken geht es in den Donauauen eben nicht. "Da sind spezielle Trupps unterwegs, die die Brücken überbauen, damit wir da drüberfahren können", sagt der Fahrer eines Begleitfahrzeugs. Mit großen Autokränen heben die Spezialisten tonnenschwere Doppel-T-Träger aus Stahl neben die Fahrbahnen, und daran schrauben sie zentimeterdicke Stahlplatten, sozusagen als Brücke über der Brücke. "Und diese Arbeit ist es, die Zeit kostet", erläutert der Begleiter.

In Irsching soll die Turbine in einen derzeit noch im Bau befindlichen Block des Gaskraftwerks eingebaut werden. Geht alles einigermaßen glatt, wird sie im November zum ersten Mal in dem Versuchskraftwerk gezündet. Ihre Leistung von 340 Megawatt entspricht der von 13 Jumbo-Jet-Triebwerken. In Kombination mit einer Dampfturbine erreicht sie einen Wirkungsgrad von über 60 Prozent und produziert so viel Strom, dass damit die gesamte Bevölkerung von München und Nürnberg versorgt werden könnte.