Foto-Vergleich

Die Geisterstädte von Fukushima und Tschernobyl

Für einen Blick in die Zukunft müssen die Bewohner von Futaba, nahe dem havarierten japanischen Atomkraftwerk Fukushima, nur in die Ukraine blicken - nach Pripyat, zwei Kilometer von Tschernobyl entfernt. Der AP-Fotograf Sergej Pomomarew hat die beiden Geisterstädte in seinen Bildern festgehalten.

Stromzähler© Gina Sanders / Fotolia.com

Futaba/Pripyat (dapd/red) - In der ehemaligen Arbeiterstadt Pripyat lebten einst 50.000 Menschen. Heute leiten Touristenführer Gruppen durch die radioaktiv belastete Zone, in der Bäume im gesprungenen Asphalt wachsen und streunende Hunde durch menschenleere Straßen rennen. Die Führer kennen die Orte, die sicher sind - und vor allem die, die es nicht sind.

Was Touristen in der Ukraine dürfen

Sie lassen Touristen aus sicherer Entfernung Bilder vom "Orangenen Wald" machen, wo radioaktiver Niederschlag immer noch starke Strahlungsdosen freisetzt. Oder führen sie zu einem Zaun mehrere hundert Meter vom zerstörten Reaktor entfernt, der mittlerweile in einem Betonsarg eingebettet ist. Die Feuerwehrwagen und Helikopter, die zum Löschen des Feuers im Reaktor von Tschernobyl verwendet wurden, sind hingegen für Besucher tabu. Sie stehen verlassen auf einem Parkplatz und sind immer noch verstrahlt.

Die Gegend um Fukushima ist noch unerforscht

Futaba ist nach dem Atomunglück im nahe gelegenen Atomkraftwerk Fukushima hingegen noch unerforschtes Gebiet. Wo hier die Strahlung besonders hoch ist, weiß niemand. Und einige Folgen des Super-GAUs werden erst in Jahren oder Jahrzehnten deutlich werden. Noch ist Futaba eine Geisterstadt, die für immer so aussieht, als könnten ihre 7.000 Bewohner jederzeit zurückkehren. Nur das Ticken des Geigerzählers in den verlassenen Straßen macht deutlich, dass hier etwas nicht in Ordnung ist.

Zum Hintergrund des Fotografen

Sergej Ponomarew ist AP-Fotograf. Er dokumentierte das Leben in der Sperrzone rund um das AKW Tschernobyl im April 2006 und noch einmal im Juni 2011. Im April 2011 war er in Japan im Einsatz, wo er die Stadt Futaba in der Evakuierungszone um das AKW Fukushima fotografierte. In seinen Fotos stellt er Szenen aus den beiden Städten einander gegenüber, die die Ähnlichkeit der Schicksale Pripyats und Futabas deutlich machen. Streunende Hunde in der Todeszone in der Ukraine und in Japan, ein verlassener Vergnügungspark und ein Spielplatz, oder auch Schränke in den Kindergärten Pripyats und Futabas zählen zu seinen Motiven.