Zwischenbilanz

Die Energiewende: Was sich seit Fukushima getan hat

Ein Jahr ist seit der Katastrophe in Fukushima vergangen, in deren Folge die schwarz-gelbe Bundesregierung die Energiewende und damit den Atomausstieg beschloss. Doch was hat sich seitdem getan? Ist die Endlagerfrage geklärt, gab es Fortschritte bei der erneuerbaren Energie und wie steht es um den Netzausbau? Hier ein kleiner Überblick.

Netzausbau© Günter Menzl / Fotolia.com

Berlin (afp/red) - Als am 11. März vergangenen Jahres der Tsunami über Japan hereinbrach und in Fukushima eine Atom-Katastrophe auslöste, veränderte dies nicht nur das Leben in Japan, sondern stellte auch die Energiepolitik in Deutschland auf den Kopf. Die wenige Monate zuvor von Union und FDP gegen erbitterten Widerstand durchgesetzten längeren AKW-Laufzeiten wurden zurückgenommen und ein beschleunigter und präzisierter Atomausstieg beschlossen. Die Energiewende verläuft bislang jedoch stockend.

Atomkraftwerke

Als Datum für den Atomausstieg in Deutschland wurde wenige Monate nach Fukushima das Jahresende 2022 festgeschrieben. Acht überwiegend ältere Atomkraftwerke wurden nach einem zunächst vorläufig von der Regierung verhängten Moratorium dauerhaft vom Netz genommen. Allerdings werden aus der Energiewirtschaft Zweifel geäußert, ob genügend Strom aus erneuerbaren und fossilen Quellen bereitgestellt werden kann, um nach einer Abschaltung weiterer AKW Stromversorgung und Netzstabilität zu gewährleisten.

Endlager

Ungelöst bleibt die Frage eines Endlagers für den bereits entstandenen und noch entstehenden Atommüll. Bundesumweltminister Norbert Röttgen (CDU) bemüht sich derzeit um eine Einigung mit den Ländern auf ein Standortsuchverfahren. Ein Streitpunkt ist, welche Rolle der bisher favorisierte Standort Gorleben spielen wird. Während Atomkraftgegner einen Verzicht auf Gorleben oder zumindest ein komplett ergebnisoffenes Verfahren fordern, werfen sie der Regierung vor, insgeheim weiter auf den Salzstock zu setzen.

Erneuerbare Energien

Bereits vor der Fukushima-Katastrophe waren in Deutschland die Weichen für den Ausbau erneuerbarer Energien gestellt worden. Bis 2020 soll deren Anteil an der Stromversorgung gemäß dem Energiekonzept der Bundesregierung von heute gut 20 Prozent auf 35 Prozent steigen, vor allem durch den weiteren Ausbau der Windkraft an Land sowie durch neue Offshore-Anlagen. Letztere kommen jedoch deutlich langsamer voran als geplant. Zudem sehen Umwelt- und Branchenverbände den Ausbau der - relativ teuren - Solarenergie durch die ab April von der Koalition geplante drastische Kürzung der Fördersätze gefährdet.

Netzausbau

Probleme macht auch nach wie vor der Ausbau der Stromnetze, die bislang kaum auf die dezentrale Stromerzeugung aus erneuerbaren Quellen ausgelegt sind. Zudem fehlen leistungsstarke Nord-Süd-Trassen, um den norddeutschen Windstrom zu Industriezentren in Süd- und Westdeutschland zu bringen. Nach dem bereits beschlossenen Netzausbaubeschleunigungsgesetz soll ein Netzentwicklungsplan dazu beitragen, den Stillstand zu überwinden. Weiterhin kommt es dabei allerdings zu Konflikten mit Anwohnern und Naturschützern, zumal die Netzbetreiber den Bau umweltschonender, aber teurer Erd- statt Freileitungen scheuen.

Kohle- und Gaskraftwerke

Politisch umstritten bleibt auch der Neubau fossiler Kraftwerke, die für eine Übergangszeit ebenfalls Ersatz für die Atomkraft bieten sollen. Umweltschützer halten dies für unvereinbar mit den deutschen Klimazielen. Das gilt auch für den Weiterbetrieb der besonders klimaschädlichen Braunkohleanlagen. Experten raten dazu, statt Kohlekraftwerken besser hocheffiziente Gaskraftwerke zu bauen, die flexibler an das schwankende Stromangebot aus erneuerbaren Quellen angepasst werden können.

Gebäudesanierung

Mit Finanzproblemen kämpft die energetische Gebäudesanierung. Von vorgesehenen 1,5 Milliarden Euro sollte ein großer Teil durch den Verkauf von CO2-Zertifikaten zusammenkommen. Aufgrund des Preisverfalls für die Zertifikate drohte zwischenzeitlich eine Kürzung auf rund 900 Millionen Euro. Am Sonntag beschloss die Koalition jedoch, an den 1,5 Milliarden Euro festzuhalten - was den Einsatz zusätzlicher Haushaltsmittel erforderlich machen dürfte. Pläne für die steuerliche Abzugsfähigkeit von Sanierungsmaßnahmen an Häusern scheitern zudem bislang am Widerstand der Länder, die sich gegen eine Mitfinanzierung sträuben.