Pro und Contra

Die CCS-Speichertechnik: Was steckt dahinter?

Die Bundesregierung hat einen Gesetzentwurf zur so genannten CCS-Technologie ("Carbon Capture and Storage") beschlossen. Damit soll künftig Kohlenstoffdioxid (CO2) aus Kohlekraftwerken unterirdisch eingelagert werden, um das Klima zu entlasten. Doch was verbirgt sich hinter dieser Technik eigentlich?

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Berlin (afp/red) - Die Technik wird von Befürwortern als klimafreundlich gepriesen, Kritiker weisen aber auf Risiken und hohe Kosten hin.

Wie funktionert CCS?

Bei der CCS-Technologie wird Kohlenstoffdioxid aus den Abgasen etwa von Kohlekraftwerken herausgefiltert, transportiert und dann unterirdisch eingelagert. Dafür wird das CO2 aufgefangen, unter Druck verflüssigt und per Pipeline, Lkw oder Schiff weitertransportiert. Als Speicher kommen erschöpfte Erdgasfelder oder tiefliegende poröse Gesteinsschichten in Frage. Geeignete Formationen finden sich unter anderem in Brandenburg und Schleswig-Holstein.

Ist die CCS-Methode schon im Einsatz?

Die CCS-Technologie wird kommerziell bereits bei der Erdöl- und Erdgasförderung genutzt. Der routinemäßige Einsatz zur CO2-Abscheidung in Großkraftwerken aber ist noch reine Zukunftsmusik. Es gibt bislang nur in Brandenburg eine Pilotanlage, in der Teilverfahren in kleinem Maßstab erprobt werden: Seit 2008 testet der Energiekonzern Vattenfall dort die CO2-Abtrennung im seinem Demonstrationskraftwerk "Schwarze Pumpe". In den nächsten Jahren will der Konzern ein größeres Testkraftwerk bauen. In Ketzin wird testweise CO2 in wasserführenden tiefen Gesteinsschichten gespeichert.

Was sind die Chancen von CCS?

Industrie und Bundesregierung sehen CCS als wichtige Brückentechnologie auf dem Weg in ein Zeitalter regenerativer Energienutzung. Mit ihr lasse sich der CO2-Ausstoß von Kohlekraftwerken verringern, die trotz ihrer Klimaschädlichkeit noch lange für die Stromerzeugung unentbehrlich seien. Zudem hofft Deutschland darauf, die Technologie in Entwicklungs- und Schwellenländer exportieren zu können, die wahrscheinlich noch viel länger auf fossile Energien setzen werden.

Was sind die Gefahren und Nachteile der unterirdischen CO2-Einlagerung?

Kritiker monieren, die Lagerstätten könnten sich als nicht dicht erweisen, das CO2 wieder austreten. Im günstigsten Fall dürfte sich dieses zwar einfach in der Atmosphäre verflüchtigen - dann ist der Klimaschutz-Effekt aber dahin. Auch sei das Verhalten von CO2 in der Erde noch nicht hinreichend erforscht. So könne das CO2 im Boden das Grundwasser versalzen und das Einpressen unter Druck Erdbeben verursachen. Wirtschaftsforscher halten die aufwendige Technik zudem für sehr teuer und deshalb kaum lohnend.

Wie soll die Sicherheit der Lagerstätten garantiert werden?

Laut Bundesregierung ist die Langzeit-Sicherheit der CO2-Speicher "zentraler Maßstab" für ihre Zulassung. Die Betreiber müssen sich von den ersten Schritten an durch eine sogenannte Deckungsvorsorge finanziell für den Fall von Schäden absichern. 30 Jahre nach Ende des Betriebs übertragen die Betreiberfirmen die Lagerstätten an den Staat - müssen aber auch dabei die Langzeit-Sicherheit nachweisen, damit der Staat keine ungeklärten Risiken übernimmt.

Wie können Bundesländer CO2-Speicher auf ihrem Gebiet verhindern?

Einige Bundesländer wehren sich drastisch gegen die CO2-Speicherung - unter anderem Schleswig-Holstein, dessen Untergrund als mögliche Lagerstätte für das Klimagas gilt. Den Ländern wird nun ein Vetorecht gegen CCS eingeräumt. Sie können entweder festlegen, wo die Technologie eingesetzt werden darf oder wo kein CO2 eingelagert werden darf. Dabei sind sie an "fachliche Kriterien" gebunden, etwa die geologischen Besonderheiten der Gebiete. Die Grünen in Schleswig-Holstein etwa kritisieren, dadurch werde das Veto wieder ausgehebelt.