Günstige Produktion

Die Braunkohle ist der Gewinner des Atomausstiegs

Die als Klimakiller beschimpfte Braunkohle gehört zu den größten Gewinnern des Atomausstiegs. Der Chef des führenden deutschen Kraftwerksbetreibers RWE Power, Johannes Lambertz, sagte am Freitag, die Braunkohle sei der einzige Energieträger, dessen Verbrauch in den ersten neun Monaten dieses Jahres gestiegen sei.

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Bergheim (dapd/red) - Allein RWE Power werde in diesem Jahr voraussichtlich 67 Terawattstunden Braunkohlestrom produzieren, zwei Terawattstunden mehr als im Vorjahr. Eine Terawattstunde entspricht einer Million Megawattstunden.

Die wegen ihres hohen CO2-Ausstoßes von Umweltschützern bekämpften Braunkohlekraftwerke profitieren damit von der Lücke, die durch die Abschaltung der deutschen Altreaktoren entstanden ist. Der Hintergrund: Braunkohlekraftwerke sind in der Produktion deutlich günstiger als Steinkohle und Gas und werden deshalb nun verstärkt eingesetzt.

Langfristig hohe Auslastung erwartet

Am Preisvorsprung der Braunkohle werde voraussichtlich auch die Vollauktionierung der CO2-Zertifikate ab 2013 nichts ändern, sagte Lambertz. "Die Auslastung der Anlagen bleibt auf hohem Niveau." Erleichtert wird dies dadurch, dass die Preise für die in großem Umfang benötigten Zertifikate durch die aktuellen Konjunkturprobleme in den Keller gerutscht sind.

Die RWE-Kraftwerkstochter ist zurzeit darum bemüht, ihre Braunkohlekraftwerke besser auf die Zeit nach der Energiewende einzustellen. So sollen die Kraftwerke künftig durch eine Reihe von Nachbesserungsmaßnahmen deutlich schneller herauf- und heruntergefahren werden können, um besser auf das rasch wechselnde Aufkommen von Wind- und Sonnenenergie reagieren zu können.

RWE will gut 1.000 Stellen abbauen

Dazu sollen auch zwei neue Kraftwerksblöcke mit einer Gesamtleistung von 2.100 Megawatt beitragen, die im ersten Quartal kommenden Jahres den kommerziellen Betrieb aufnehmen. Sie sollen zwölf alte, besonders umweltbelastende 150 Megawatt-Blöcke ersetzen.

Die gestiegene Nachfrage nach Braunkohle kann allerdings nicht darüber hinwegtäuschen, dass auch die RWE-Kraftwerkstochter durch die Energiewende vor große Herausforderungen gestellt wird. Die Rahmenbedingungen für das Unternehmen seien durch den vorzeitigen Atomenergieausstieg deutlich schwieriger geworden, sagte Lambertz.

Nicht zuletzt wegen der geänderten energiewirtschaftlichen Rahmenbedingungen und der Stilllegung von Altanlagen will der Konzern in den nächsten fünf Jahren gut 1.000 der knapp 17.000 Stellen abbauen.

Pläne für den Bau eines weiteren 1.100-Megawatt-Kraftwerks stehen unterdessen noch unter Vorbehalt. Das Genehmigungsverfahren steht noch am Anfang. Außerdem müssten wohl die Preise an den Strombörsen erst wieder deutlich anziehen, bevor der Konzern grünes Licht für die Milliardeninvestition gibt. "Mit den heutigen Strompreisen wird niemand investieren", sagte Lambertz.