Netzmanagement

Dezentrale Stromversorgung beugt Engpässen vor

Das Umweltministerium warnt in einem internen Papier vor Engpässen im Stromnetz im Mai, weil dann nur noch fünf oder sechs Atomkraftwerke am Netz sein sollen. Unterdessen wurde ein Innenausschuss-Bericht bekannt, wonach Deutschland sehr schlecht für einen Mega-Stromausfall gerüstet sein soll.

Stromtarife© Andre Bonn / Fotolia.com

Berlin (dapd/red) - Über das interne Papier des Umweltministeriums (BMU) berichtet die "Bild"-Zeitung am Donnerstag. Hintergrund sind geplante Revisionen an Reaktoren, die neben dem Atom-Moratorium die Kapazität zusätzlich beschneiden. Experten erwarten, dass zeitweilige Stromimporte die Folge sein könnten.

Die Zeitung zitiert aus dem Papier: "Kurzfristige Engpässe sind nicht auszuschließen." Das Problem sei zwar theoretisch beherrschbar, doch müsse das Netzmanagement verbessert werden. Würde das Stromnetz in Deutschland instabil, könnte dies auch die Netzstabilität in den Nachbarländern gefährden.

Im Mai gehen zusätzliche Meiler vom Netz

Wegen des Moratoriums der Bundesregierung sind acht der 17 deutschen Reaktoren für drei Monate bis Mitte Juni abgeschaltet. Bei weiteren Kraftwerken planen die Betreiber für Mai Revisionen.

Kürzlich hatte die Tageszeitung "taz" berichtet, Deutschland sei schlecht für einen mehrere Tage oder gar Wochen andauernden Stromausfall gerüstet. Das gehe aus einem unveröffentlichten Bericht des Büros für Technikfolgen-Abschätzung beim Deutschen Bundestag (TAB) hervor, der der Zeitung vorliege. Die Autoren monieren, dass ein solcher Notfall in den "aktuellen Gesetzen und Verordnungen nur ungenügend berücksichtigt" werde.

Dezentrale Netzversorgung beugt Engpässen vor

Dabei wurde allerdings von einem mindestens zweiwöchigen und auf das Gebiet mehrerer Bundesländer übergreifenden Stromausfalls ausgagangen. Ein solches Szenario sei sehr unwahrscheinlich, so die Autoren des Berichts, der vom Innenausschuss des Bundestages in Auftrag gegeben worden war.

Die Technikfolgenforscher beim Bundestag plädieren dafür, "nachhaltigere Optionen zur Bewältigung eines lang andauernden und großflächigen Stromausfalls zu entwickeln". So könnten etwa durch eine dezentrale Stromversorgung auf Basis erneuerbarer Energien wichtige Infrastrukturen besser geschützt werden. "Regional begrenzte Inselnetze" könnten selbst bei einem Mega-Blackout weiter Strom erzeugen.