"Einäugiger unter Blinden"

Deutschland steht im Klimaschutz vergleichsweise gut da

Die Umweltschutzorganisation Germanwatch hat die Klimaschutz-Leistungen von 53 Industrie- und Schwellenländern, die zusammen für 90 Prozent des weltweiten Kohlendioxid-Ausstoßes verantwortlich sind, verglichen. Ergebnis: Deutschland steht gut da, sollte sich aber auf seinem Ruhm nicht ausruhen.

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Berlin (ddp/sm) - Deutschland steht im Klimaschutz vergleichsweise gut da. Die Umweltorganisation Germanwatch, die am Montag in Berlin den so genannten Klimaschutz-Index vorstellte, sieht jedoch keinen Grund zur Entwarnung. Deutschland sei mit seinem fünften Platz im Index nur "Einäugiger unter den Blinden", was den Klimaschutz angehe, sagte Klimaexperte Jan Burck.

Die Organisation verglich die Klimaschutz-Leistungen von 53 Staaten, Industrie- und Schwellenländer, die zusammen für 90 Prozent des weltweiten Kohlendioxid-Ausstoßes verantwortlich sind. Dabei wurde nicht nur die absolute Höhe der Emissionen berücksichtigt, sondern auch die Entwicklung der letzten Jahre einbezogen und die Klimapolitik der Staaten bewertet.

Demnach ist Deutschland in der internationalen Klimapolitik weiterhin Spitzenreiter. Nachholbedarf bestehe allerdings vor allem bei den Gebäudeheizungen. Die USA als weltgrößter Kohlendioxid-Produzent landen in dem Index vor Saudi Arabien auf dem vorletzten Platz. Auf den ersten drei Plätzen landeten Island, Lettland und Großbritannien.

Germanwatch will den Index wenigstens alle zwei Jahre veröffentlichen, um "zivilgesellschaftlichen Druck" auf die Politik auszuüben. Der Index könne für Staaten ein Anreiz sein, ihre Klimaschutzbemühungen zu verbessern. Germanwatch-Geschäftsführer Christoph Bals mahnte, beim Neubau von Kraftwerken nicht auf Kohle zu setzen. Dies würde der gesamten Klimapolitik entgegenlaufen. Auch einen Ausbau der Atomkraft lehnte er aufgrund des Risikopotenzials und der Kosten ab.

Für die Berechnung des Index wird der Kohlendioxid-Ausstoß eines Landes in Relation zu seinem Bruttoinlandsprodukt, dem Energieverbrauch und der Bevölkerungszahl gesetzt. Zudem werden die Emissionstrends berechnet, d.h. wie haben sich die Emissionen von 1998 bis 2003 in den Sektoren Energie, Verkehr, Gebäude und Industrie entwickelt. Als drittes Kriterium fließt die Bewertung der nationalen und internationalen Klimapolitik eines Landes in den Index ein.

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