Studie

Deutschland fehlen angeblich 3500 Kilometer Stromnetz (Upd.)

Die Deutsche Energieagentur (Dena) beklagt einem Bericht zufolge, dass das deutsche Stromnetz dringend ausgebaut werden müsste. In Deutschland fehlen einer Dena-Studie zufolge 3500 Kilometer Hochspannungsleitungen, berichtete das "Handelsblatt" vom Dienstag.

Netzausbau© Günter Menzl / Fotolia.com

Berlin (afp/dapd/red) - Um diese Lücken bis 2020 zu schließen, sind demnach Investitionen von rund sechs Milliarden Euro nötig. Die Dena-Studie soll der Zeitung zufolge im November vorgestellt werden, die Kernaussagen stünden aber bereits fest.

Auftraggeber der Studie sind laut "Handelsblatt" die vier Atomkraftwerksbetreiber, das Bundesumwelt- und das Bundeswirtschaftsministerium sowie Verbände der Branche. Zahlreiche Projekte dieser Art sind örtlich umstritten. So kämpft Vattenfall seit Jahren darum, den Thüringer Wald und seinen Rennsteig mit einer 380-Kilovolt-Leitung überqueren zu dürfen. Von den ursprünglich angenommenen 850 Kilometern seien bislang erst 100 Kilometer gebaut worden, hieß es in der Zeitung weiter.

In der Branche diskutiert wird auch ein superstarkes Stromkreuz in Deutschland, mit dem Elektrizität von Skandinavien nach Südeuropa und von Westeuropa nach Osteuropa sowie jeweils umgekehrt transportiert werden könnte. Gleichzeitig gibt es den Plan, Norwegens Pumpspeicherwerke mit dem deutschen Netz zu verbinden und die Windkraftwerke in der Nordsee auch dort anzubinden.

Die Stromnetze in Deutschland müssen für den Einsatz erneuerbarer Energien wie Wind- oder Sonnenkraft umgebaut und optimiert werden. Notwendig sind Netze, die einfacher auf die schwankende Verfügbarkeit reagieren können, etwa wenn gerade kein Wind oder im Gegenteil besonders viel Wind weht.

Nach Ansicht der Grünen übertreibt die Studie aber den Bedarf. "3500 Kilometer Stromleitungsneubau sind nicht nötig", erklärte der energiepolitische Sprecher der Grünen-Bundestagsfraktion, Hans-Josef Fell. Er verwies unter anderem auf die Möglichkeiten eines dezentralen Ausbaus der Energiestruktur, zum Beispiel durch kleine private Windkraftanlagen auch in Süddeutschland.

EU-Energiekommissar Oettinger forderte eine regelmäßige Hilfe für Energie-Infrastruktur aus dem EU-Haushalt. "Wir brauchen 800 Millionen Euro im Jahr für die Co-Finanzierung", sagte Oettinger der "Financial Times Deutschland" vom Dienstag. Viele Projekte im öffentlichen Interesse würden sich sonst nicht rechnen.

Oettinger will zugunsten der Energie-Infrastruktur auch einen Vorrang des öffentlichen Interesses im Planungsrecht. Dann könnten viele Projekte schneller verwirklicht werden, sagte er der "FTD". Als Beispiel für die jetzigen Umstände verwies der Energiekommissar auf den Bau einer Stromleitung zwischen Halle und Schweinfurt. Dabei seien für 100 Kilometer 100 Genehmigungen nötig.

Viele Leitungsbau-Projekte stocken zur Zeit aber, wie die Bundesregierung im August erklärte. Die Dena berät die Bundesregierung in Energie- und Klimafragen. Sie wird überwiegend vom Bund und der staatlichen Förderbank KfW finanziert. Gesellschafter sind zudem die Allianz, die Deutsche Bank und die DZ Bank.