Ölkrise

Deutsche Umwelthilfe: "Nationaler Energieplan" muss her

Zur Drosselung des Energieverbrauchs schlägt die Deutsche Umwelthilfe e.V. (DUH) einen "Nationalen Energieplan" vor, der kurz-, mittel- und langfristige Maßnahmen für einen intelligenteren und effizienteren Einsatz knapper Ressourcen miteinander verbindet.

Netzausbau Ökostrom© Gina Sanders / Fotolia.com

Berlin/Radolfzell (red) - "Die Unwetterkatastrophen im Süden der USA bedrohen mittelbar die Energieversorgung aller Industriestaaten. Wir müssen unabhängig von den erschreckenden Bildern aus den USA sehr schnell die Fähigkeit entwickeln, unseren ungebändigten Ölverbrauch herunterzufahren. Das ist jetzt die allererste Aufgabe einer jeden neuen Bundesregierung", erklärte DUH-Bundesgeschäftsführer Jürgen Resch.

Resch wandte sich gegen alle Versuche, der klimabedingten Energiepreiskrise mit Forderungen nach Abschaffung der Ökosteuer, Verlängerung der Laufzeiten von Atomkraftwerken oder Kappung der Förderung Erneuerbarer Energien gegenzusteuern. "Das ist hilfloser Aktionismus. Es gibt nur einen Weg, sich auf eine weltweite Ölversorgungskrise vorzubereiten und die Kostenexplosion zu dämpfen: Wir müssen unseren Verbrauch drosseln." Angesichts der Gefährdung von einem Viertel der amerikanischen Erdöl- und Erdgasraffinerien durch den Hurrikan "Rita" droht eine weitere Preisexplosion. Die DUH befürchtet einen möglichen Anstieg der Benzinpreise auf eine volkswirtschaftlich kritische Marke von 1,80 Euro pro Liter Benzin bis zum Jahresende.

Kein Versuch, die Energiepreise durch staatliche Eingriffe auf der Steuerseite zu dämpfen, hilft gegen den volkswirtschaftlichen Aderlass infolge der Preisexplosion auf den internationalen Energiemärkten. "Nur Staaten, die durch akute Einsparungen ihre nationale Energierechnung im Zaum halten, haben eine Chance, aus einer globalen Energiepreiskrise einigermaßen ungeschoren herauszukommen", sagte Resch. Die Deutsche Umwelthilfe schlägt deshalb einen "Nationalen Energieplan" vor, der sich aktuell auf sofort greifende Maßnahmen konzentrieren müsse.

Zu den Kurzfristmaßnahmen zählt eine Geschwindigkeitsbegrenzung auf Autobahnen, die sich an den europäischen und weltweiten Gepflogenheiten orientiert. Darüber hinaus sollte ab einem bestimmten Preisniveau befristete Fahrverbote zum Beispiel an Sonn- und Feiertagen den Ölverbrauch senken. Durch die Bevorzugung von Pkws z.B. ab drei Insassen auf speziellen Fahrspuren könnten zudem Fahrgemeinschaften einfach und kostenneutral gefördert werden. Mittelfristig müsse der Kraftstoffverbrauch von PKW deutlich reduziert werden. Außerdem gehe es darum, durchgängig und systematisch Anreize für einen intelligenteren Umgang mit Energie von der Energiebereitstellung bis zum Verbrauch zu installieren.

"Die Konzepte für mehr Energieintelligenz liegen seit Jahren vor, ihre konsequente Umsetzung würde nicht nur das Weltklima und unsere Portemonnaies entlasten, sie würde auch das größte Innovationsprogramm in der Geschichte der Republik auslösen", sagte Resch und warnte davor, die Wetterextreme dieses Sommers als singuläre Ereignisse misszuverstehen: "Selbstverständlich müssen wir angesichts der akuten Not helfen, wo wir können. Aber wir müssen auch wissen: "Katrina" und "Rita" sind eher das Wetterleuchten für das, was kommt. Leider nähert sich die reale Welt viel schneller als von uns allen befürchtet den Computermodellen der Klimatologen an. Diese Tatsache wird künftige Regierungen auch in Deutschland stärker beschäftigen als manches was heute im Vordergrund steht".

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