Widersprüchlich

Deutsche sind umweltbewusst - aber nicht beim Strom

Die meisten Deutschen sind laut einer aktuellen Umfrage der Ansicht, Staat und Wirtschaft sollen mehr für den Umweltschutz tun. Dabei sind die Bürger durchaus bereit, selbst ihren Beitrag zu leisten. Das zeigt sich im Kaufverhalten und Konsum - aber weniger beim Umstieg auf Ökostrom.

Netzausbau Ökostrom© Gina Sanders / Fotolia.com

Dessau-Roßlau (red) - Wie eine für das Umweltbundesamt (UBA) mit 2008 Personen durchgeführte Umfrage zeigt, sind 62 Prozent der Befragten der Ansicht, dass der Staat mehr für den Umweltschutz tun solle. Den Umstieg auf erneuerbare Energien befürworten sogar 85 Prozent. Dabei wünschen sich drei Viertel, dass der Staat durch strengere Gesetze und die Streichung umweltschädlicher Subventionen seinen Beitrag leistet.

Trotz Finanzkrise: Umweltschutz bleibt wichtig

"Die Umfrage widerlegt Befürchtungen, dass die Finanzkrise den Umweltschutz in den Augen der Menschen in Deutschland weniger wichtig machen würde," sagte UBA-Präsident Jochen Flasbarth. Hohe umweltpolitische Erwartungen richten die Befragten neben dem Staat vorrangig an die Wirtschaft: Große Beiträge zum Umwelt- und Klimaschutz können nach rund 90 Prozent der Befragten die Industrie und die Energieversorger leisten, indem sie umweltfreundlicher produzieren. Dass die Automobilindustrie durch die Entwicklung umweltfreundlicher Autos viel tun kann, sehen rund 85 Prozent.

Umweltfreundliches Käuferverhalten

Eine Mehrheit der Befragten sieht auch Möglichkeiten, selbst etwas für den Umweltschutz zu tun, beispielsweise durch eine Reduzierung des Autogebrauchs oder die Vermeidung von Flugreisen. Zwei Drittel der Befragten kaufen nach eigener Aussage gezielt Produkte, welche die Umwelt möglichst wenig belasten. Über die Hälfte boykottiert Produkte von Firmen, welche sich nachweislich umweltschädlich Verhalten. Die meisten sind auch bereit, dafür mehr zu zahlen. Da verwundert es, dass sich in einem Bereich das Umweltbewusstsein im Verhalten noch nicht wirklich niederschlägt: Im Bereich Stromanbieter. Nur acht Prozent haben bisher zu Ökostrom gewechselt, dabei sind Ökostromtarife oft sogar günstiger als die Grundversorgung durch die Stadtwerke.

Studie zeigt deutliche Milieu-Unterschiede

In der Umweltbewusstseinsstudie 2010 zeigen sich teilweise erhebliche milieuspezifische Unterschiede im Umweltbewusstsein und -verhalten. Die Notwendigkeit des Umweltschutzes wird dabei auch in sozial benachteiligten Milieus gesehen, Menschen mit niedrigerem Einkommen stellen aber weniger politische Forderungen und sehen weniger Chancen, durch eigenes Handeln etwas zu verändern. Allerdings tragen Bürger mit weniger Einkommen auch durchschnittlich weniger zur Umweltverschmutzung bei, weil sie sich bestimmte Dinge nicht leisten können.

Ähnliche soziale Unterschiede zeigen sich auch beim Anteil an Engagierten im Umwelt- oder Naturschutz, der sich in den letzten Jahren mehr als verdoppelt hat: von vier Prozent 2008 auf neun Prozent in der aktuellen Umfrage. Dabei sind Mitglieder von Umwelt- und Naturschutzverbänden häufig gut gebildet und verfügen über ein hohes Einkommen.