Windkraft

Deutsche Offshore-Windparks hinken hinterher

Die Hoffnungen sind groß: Windparks auf dem Meer sollen in Zukunft einen wesentlichen Teil der deutschen Stromproduktion liefern - erneuerbar, klimaneutral und fernab von Siedlungen. Der Windpark-Ausbau auf hoher See steht aber auch vor großen Herausforderungen.

Netzausbau© Thomas Aumann / Fotolia.com

Hamburg (afp/red) - Wenn Bundeskanzlerin Angela Merkel demnächst zum offiziellen Betriebsstart des ersten kommerziellen deutschen Windparks in der Ostsee reist, werden diese Argumente sicher zur Sprache kommen - ebenso wie die Hoffnung auf neue Arbeitsplätze und Investitionen an den hiesigen Küsten. Der Windpark-Ausbau auf hoher See steht aber auch vor großen Herausforderungen.

Windstrom soll 18 Atomkraftwerke ersetzen

Im Jahr 2030 sollen nach dem Willen der Bundesregierung 25 Gigawatt Strom in Offshore-Anlagen vor der Nord- und Ostseeküste produziert werden. So steht es in deren Energiekonzept vom vergangenen Herbst. 25 Gigawatt - das entspräche etwa der Nennleistung von 18 Atomkraftwerken.

Bislang allerdings läuft Deutschland den Ausbauplänen hinterher. Bis 2020 sollen gemäß einer Leitstudie des Bundesumweltministeriums von 2008 bereits Meeres-Windparks mit einer Leistung von 10.000 Megawatt installiert werden. Im vergangenen Jahr gingen gerade einmal 108 Megawatt ans Netz. Nur Turbinen in den zwei ersten Nordsee-Windparks lieferten 2010 überhaupt kommerziell Strom.

Windparks fernab von der Küste sind teurer

Man bezweifelt nicht, dass sich der Ausbau der Offshore-Windenergie künftig massiv beschleunigen wird, da 26 große Windparkprojekte im deutschen Nord- und Ostsee-Bereich genehmigt worden sind, diverse Anträge sind auch schon gestellt. Große Energiekonzerne, Konsortien aus regionalen Versorgern und Stadtwerken sowie Investoren stehen in den Startlöchern. Aber die Dynamik wird in Deutschland bisher noch durch vergleichsweise große technische Herausforderungen gebremst.

Windparks werden hierzulande in größerer Küstenentfernung in tiefem Wasser gebaut. Die flacheren Gebiete werden als Schifffahrtswege und Fischereigebiete benötigt oder sind als Naturschutzgebiete ohnehin tabu. Das Ausweichen auf die hohe See aber erhöht den Aufwand und die Kosten, sodass auch die Finanzierung zum Problem wird. Banken halten sich mit Kreditzusagen an Investoren zurück, wenn sie Risiken nicht einschätzen können.

Nicht abschließend geklärt ist die Umweltverträglichkeit. Kritiker befürchten Auswirkungen auf Seevögel und Meerestiere. Strom aus Offshore-Anlagen sei zudem insgesamt teurer als der aus Windanlagen an Land.