Strom-News
UmsatzeinbrücheDie Sonne scheint, der Wind weht, erneuerbare Energien liegen im Trend. Das Geschäft boomt, und doch geraten die deutschen Hersteller dieser Branche immer tiefer in die Krise. Der stetige Preisdruck, vor allem durch die Konkurrenz aus Fernost, fordert seinen Tribut.
Berlin (dapd/red) - Unternehmen wie der einst weltgrößte Produzent von Solarzellen, Q-Cells, und der Konkurrent Solarworld melden teils hohe Verluste, obwohl Ökostrom klar im Trend liegt. Und auch der Windradhersteller Nordex rechnet inzwischen mit einem operativen Minus im laufenden Jahr.
Zwar ist der Solarmarkt in den vergangenen Jahren enorm gewachsen, allerdings bestimmen inzwischen vor allem chinesische Anbieter den Markt. Sie können günstiger anbieten und Anlagenbauern trotz der ständigen Fördersenkungen weiterhin eine auskömmliche Rendite bieten. Die hiesigen Unternehmen werfen ihnen deshalb staatlich geförderte Dumpingpreise vor. Seit kurzem lässt Solarworld in den USA die chinesischen Importe untersuchen und hofft auf politische Unterstützung. Für die EU sei ähnliches geplant, sagte Gründer und Chef Frank Asbeck im Oktober.
Bisher hatte sich Solarworld erfolgreich im Wettbewerb behauptet. Mit einem Geschäftsmodell, das vom Silizium bis zum Modul alle Produktionsschritte abdeckt, gelang es dem Unternehmen lange, profitabel zu arbeiten. Die operative Marge vor Zinsen und Steuern (Ebit) war noch zweistellig, als andere schon rote Zahlen schrieben.
Der stetige Preisdruck zeigt aber inzwischen auch hier Wirkung. Der Umsatz von Solarworld fiel allein im dritten Quartal um mehr als 30 Prozent auf 238 Millionen Euro. Dabei machte das Unternehmen zwar noch einen operativen Gewinn von 20,6 Millionen Euro, unter dem Strich stand aber ein Verlust von 9 Millionen Euro.
Auch Q-Cells überraschte am Montag negativ. Zwar hatten Beobachter Verluste erwartet, allerdings nicht die gemeldeten 57 Millionen Euro. Nach neun Monaten summiert sich das Minus damit schon wieder auf fast eine halbe Milliarde Euro. Grund dafür ist die im August eingeläutete neue Runde im seit zwei Jahren andauernden Restrukturierungsprozess. Der Q-Cells-Stammsitz im sachsen-anhaltischen Thalheim wird künftig nur noch zur Hälfte genutzt, was hohe Abschreibungen zur Folge hatte.
Zudem verzichtete Q-Cells von Juli bis September teilweise auf den verlustträchtigen Direktverkauf von Solarzellen, dem einstigen Kerngeschäft. Stattdessen wurden mehr fertige Module verkauft. Der Umsatz brach dennoch um über 40 Prozent ein. Auf Ebit-Basis entstand ein neuerlicher Verlust von fast 50 Millionen Euro. Und auch im vierten Quartal sollen sich die Vorzeichen nicht ändern.
Die beiden Solar-Werte markierten denn auch am Montag klar das Ende der TecDAX-Liste. So brachen Q-Cells-Aktien bis etwa 14.00 Uhr um mehr als 27 Prozent auf 84 Cent ein, Solarworld verloren mehr als 16 Prozent auf 3,23 Euro. In ihren Sog gerieten auch andere Werte der Branche wie SMA Solar oder Centrotherm, die zwar nicht so dramatische, aber ebenfalls deutliche Kursverluste verzeichneten.
Den Windanlagen-Hersteller Nordex kosteten dagegen Verzögerungen bei internationalen Aufträgen seine Jahresprognose. Die europäische Schuldenkrise und höhere Eigenkapitalanforderungen an die Banken hätten die Finanzierung von Windparkprojekten erschwert, teilte das Unternehmen mit. Vor diesem Hintergrund sei das Umsatzziel von einer Milliarde Euro in diesem Jahr nicht zu erreichen. Nordex rechnet nun mit Erlösen von rund 920 Millionen Euro und einem operativen Verlust vor Sonderaufwendungen von 10 Millionen Euro. Ursprünglich hatte das Unternehmen schwarze Zahlen aus dem laufenden Geschäft mit Ökostrom angestrebt.
Zwar steigerte Nordex den Umsatz in den ersten neun Monaten dank eines guten US-Geschäfts um rund neun Prozent auf 668 Millionen Euro. Allerdings belasteten im dritten Quartal hohe Strukturkosten das Ergebnis vor Zinsen und Steuern, das leicht auf 9,4 Millionen Euro fiel. Der Konzerngewinn sank von 5,6 auf 3,4 Millionen Euro, während der Auftragseingang von 202 auf 186 Millionen Euro nachgab.
Anders als die Sonnenstrom-Werte straften Händler die Nordex-Papiere im TecDAX allerdings nicht ab. Die Aktie legte bis zum Nachmittag sogar leicht auf 4,10 Euro zu.
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