Prognosen-Skepsis

Deutsche haben offenbar Angst vor Klimawandel verloren

Der Klimawandel macht den Deutschen offenbar nicht mehr so viel Angst wie noch in den vergangenen Jahren. Das ergab eine repräsentative Infratest-Umfrage im Auftrag des Hamburger Nachrichtenmagazins "Der Spiegel". Als einer der Hintergründe wird die kürzlich bekannt gewordene falsche Berechnung des Weltklimarates vermutet.

Stromnetz Ausbau© Gina Sanders / Fotolia.com

Berlin (ddp/red) - Demnach fürchtet sich nur noch eine Minderheit von 42 Prozent vor der globalen Erwärmung. Im Herbst 2006 äußerten offenbar noch 62 Prozent der Befragten Befürchtungen hinsichtlich des Klimawandels.

Wie die Umfrage weiter ergab, hält jeder dritte Deutsche die Prognose der Klimaforscher, nach der es langfristig immer wärmer wird, nicht für zuverlässig. Jeder Vierte glaubt, dass Deutschland von dem Klimawandel sogar eher profitieren wird.

Das schwindende Vertrauen in die Klimaforschung hat möglicherweise auch mit den jüngst bekannt gewordenen Fehlern im Bericht des Weltklimarates IPCC zu tun. In einigen Passagen des IPCC-Sachstandsberichts aus dem Jahr 2007 waren Fehler entdeckt worden. Einer dieser Fehler bezog sich auf die Gletscher des Himalaya, deren komplettes Abschmelzen bis zum Jahr 2035 prognostiziert wurde, gemeint war das Jahr 2350.

Als erste Fachorganisation fordert deshalb jetzt die deutsche Leibniz-Gemeinschaft, der mehrere Klimaforschungsinstitute unterstehen, den Rücktritt von IPCC-Chef Rajendra Pachauri. Dem "Spiegel" sagte Leibniz-Präsident Ernst Rietschel, er sehe die Klimaforschung "in einer schwierigen Situation", weil man den Skeptikern "eine offene Flanke hingehalten" habe. "Rajendra Pachauri sollte dafür die Verantwortung übernehmen und zurücktreten", sagte Rietschel dem Magazin.