Klimafreundliches Kraftwerk

Deutsche Energieversorger gründen Informationszentrum Kohlekraftwerk

Deutsche Energieversorger und Hersteller von Kraftwerkstechnologien haben in Berlin das Informationszentrum klimafreundliches Kohlekraftwerk (IZ Klima) gegründet. Die Plattform soll über Technologien informieren, die den CO2-Ausstoss von Kohlekraftwerken künftig nahezu völlig unterbinden.

Stromtarife© Andre Bonn / Fotolia.com

Berlin (ddp-bln/sm) - Die Umweltorganisation Greenpeace nannte das IZ "eine Antwort der Energiekonzerne auf den wachsenden Widerstand gegen Kohlekraftwerke". Damit veranstalte eine Lobby "Cleanwashing" der Kohle. Auch neue Kohlekraftwerke seien Gift fürs Klima, sagte Greenpeace-Klimaexperte Karsten Smid. "Ein gänzliche CO2-freies Kohlekraftwerk ist eine Lüge. Selbst die künftigen Fabriken stoßen 150 Gramm pro erzeugter Kilowattstunde aus." Das entspräche einer Restmenge von 20 Prozent CO2.

Die Energiewirtschaft sprach am Freitag dagegen von fünf bis zehn Prozent, die auch in Zukunft nicht aufgefangen werden könnten. "Aber die Plattform ist auch für die Diskussion mit Nichtregierungsorganisationen gedacht", sagte IZ-Vorstandsvorsitzender Klaus von Trotha. "Sie soll helfen, Ängste abzubauen." Der Jurist und Politologe Trotha war zwischen 1991 und 2001 Wissenschaftsminister in Baden-Württemberg.

IZ-Mitglieder sind die Versorger EnBW, Alstom Power, E.ON, RWE Power und Vattenfall Europe sowie die Technologiefirmen Hitachi Power Europe und Siemens Power. Begleitet wird das Büro von einem Beirat aus Vertretern der Bundesministerien für Bildung und Forschung, Wirtschaft und Umwelt. Weitere Partner sind das Potsdamer Institut für Klimafolgenforschung und das Institut für Energietechnik der TU Hamburg-Harburg. Die Aufnahme der Arbeit ist für den 1. Oktober vorgesehen.

Laut Trotha haben sich bislang überwiegend Fachkreise mit Technologien sauberer Kohlekraftwerke auseinandergesetzt. Das neu eingerichtete IZ wolle nun die breite Öffentlichkeit über die nach den Plänen der Beteiligten ab 2020 flächendeckend verfügbaren Kraftwerkstypen unterrichten. Johannes Lambertz von RWE Power und Bernhard Fischer von E.ON Energie kündigten den ersten Einsatz serienreifer CO2-bindender Kraftwerke für 2014 an. Diese Kraftwerkstypen ermöglichten bereits eine CO2-Bindung von 50 Prozent. In den Jahren 2015/16 stünden nach Angaben von Fischer Pilotprojekte "nahezu CO2-ausstoßfreier Kraftwerke" zur Verfügung.

Nach Ansicht von Trotha sind die künftigen Verfahren geeignet, Deutschland eine Technologieführerschaft zu bescheren. Gerade angesichts wöchentlich in China eröffnender Kohlekraftwerke wäre dieser Markt bedeutend. Wie Lambertz ausführte, bleibe die Kohleverstromung "weiter weltweit die Säule der Energieversorgung".

Der Präsident der Deutschen Gesellschaft für Sonnnenenergie (DGS), Jan Kai Dobelmann, bezeichnete das IZ als einen "ideologischen Schützengraben". Grundsätzlich seien neue Technologien zu begrüßen, allerdings müsste gefragt werden, wer die Kosten dafür trage. Der sicherste Umweltschutz sei noch immer Abfallvermeidung, nicht nachträgliche Beseitigung.

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