Widerstand

Deutliche Mehrheit der Bürger stimmt gegen Kraftwerksbau

Der geplante Bau eines Steinkohlekraftwerkes im Seebad Lubmin in Vorpommern stößt auf erheblichen Widerstand in der Bevölkerung. Bei einer Befragung stimmten am Samstag 79,5 Prozent der Bürger Lubmins gegen das Kraftwerk, wie Bürgermeister Klaus Kühnemann (parteilos) am Sonntag sagte.

Netzausbau© Thomas Aumann / Fotolia.com

Lubmin (ddp-nrd/sm) - Bürgermeister Kühnemann zeigte sich über das Ergebnis der Bürgerbefragung sehr zufrieden. Es habe seine Erwartungen weit übertroffen, sagte er. Die Beteiligung lag seinen Angaben zufolge bei 43 Prozent, üblich seien 30 Prozent. Für ihn sei es ein Zeichen, sich nun noch stärker für die Interessen der Bürger einzusetzen. Er kündigte an, alle Möglichkeiten zur Verhinderung des Baus auszuschöpfen. Diese könnten bis hin zu juristischen Schritten reichen.

Zu der Bürgerbefragung hatte die Amtsverwaltung des Seebades aufgerufen. Zwar habe das Ergebnis keine bindende Wirkung auf das Genehmigungsverfahren, sagte Kühnemann. Er hoffe aber auf eine politische Wirkung. "Die Landesregierung kann nicht gegen den Willen des Volkes agieren", betonte der Bürgermeister. Zur Befragung aufgerufen waren 1830 Lubminer ab 16 Jahren. Auch die rund 200 Bewohner mit Nebenwohnsitz in Lubmin konnten ihre Stimme abgeben, diese wurden aber nicht mitgewertet. "Sonst wären wir bei über 80 Prozent der Stimmen gegen das Werk", fügte Kühnemann hinzu.

Bürgerinitiative gegründet

Auf Usedom gründete sich am Samstag die Bürgerinitiative (BI) "Kein Steinkohlekraftwerk Lubmin e.V.". In den vergangenen Wochen hatte sie bereits rund 3000 Unterschriften gesammelt. Diese plant bei Bedarf rechtliche Schritte. "Wir haben einen Verein gegründet, um auch den Klageweg gehen zu können", sagte ein Sprecher. In der nächsten Woche soll ein Strategieplan für den weiteren Widerstand entworfen werden. Dabei werde eng mit der Bürgerinitiative "Zukunft Lubminer Heide" zusammengearbeitet.

BUND verabschiedet Resolution gegen Bauvorhaben

Rückendeckung hat die BI auch durch den Bund für Naturschutz Deutschland (BUND) in Mecklenburg-Vorpommern. Der Bau eines neuen Kohlekraftwerkes sei "eine Investition in die Technik von gestern und torpediere den Klimaschutz", heißt es in einer in Warnemünde verabschieden Resolution. Das Kraftwerk würde jährlich sieben Millionen Tonnen CO2 ausstoßen. Der Betrieb des Steinkohlekraftwerks habe "völlig unkalkulierte Folgen für das sensible Ökosystem des Greifswalder Boddens, das als europäisches Natura-2000-Gebiet einen besonderen Schutzstatus besitze", betonte der BUND. "Eine Genehmigung wäre deshalb schon naturschutzrechtlich anfechtbar."