Sonnenkraftwerke in Afrika

Desertec: Solarstrom aus der Wüste für Europa

Stromverbraucher in Europa sollen nach dem Willen einer Gruppe deutscher Großkonzerne künftig mit Solarstrom aus der Wüste versorgt werden. Für den Bau riesiger Solarkraftwerke in den Wüsten des afrikanischen Kontinents wollen die Unternehmen 400 Milliarden Euro investieren. In 2 bis 3 Jahren sollen konkrete Pläne vorliegen.

Netzausbau Ökostrom© Gina Sanders / Fotolia.com

München (afp/ddp/red) - "Wir wollen eine Initiative gründen, um in den nächsten zwei bis drei Jahren konkrete Umsetzungspläne auf den Tisch zu legen", sagte Münchner-Rück-Vorstand Torsten Jeworrek der "Süddeutschen Zeitung" von Dienstag.

25 Prozent des Strombedarfs von Europa

Erneuerbarer Strom aus Solarwärme-Kraftwerken in Wüstengegenden "könnte im nachhaltigen Energiemix der Zukunft eine entscheidende Rolle einnehmen", erklärte Jeworrek. Die Energie würde in Nordafrika produziert und über neue Hochspannungsnetze - teils am Grund des Mittelmeers - nach Europa transportiert. Ein solches Projekt sei "technologisch bestechend und auch realisierbar", erklärte Jeworrek.

Das Ökostrom-Konzept läuft bislang unter dem Namen Desertec und basiert auf Studien des Deutschen Zentrums für Luft- und Raumfahrt (DLR) im Auftrag des Bundesumweltministeriums. Demnach sollen vor allem Solarwärme-Kraftwerke, aber auch Wind-, Wasserkraft-, Erdwärme- und Sonnenstrom-Anlagen Energie sowohl für Europa als auch für Staaten in der Erzeuger-Region selbst produzieren.

Solarstrom lässt sich wirtschaftlich erzeugen

Das Projekt gilt laut "SZ" als eine der größten privaten Ökostrom-Initiativen aller Zeiten. An der Spitze der Gruppe steht der weltgrößte Rückversicherer Münchener Rück. Zur konstituierenden Sitzung am 13. Juli hätten etwa 15 Institutionen ihr Kommen zugesagt. Dazu zählten das Auswärtige Amt, Politiker aus Brüssel, Vertreter nordafrikanischer Staaten sowie von Deutscher Bank, Siemens und RWE.

Auch der Club of Rome soll bei der Gründung mit am Tisch sitzen. Dieser Zusammenschluss führender Wissenschaftler, Politiker und Manager verfolgt die Idee afrikanischen Solarstroms schon seit Jahren. Bislang aber ließ sich kein Großprojekt in Afrika realisieren.

Gebündeltes Sonnenlicht treibt Turbinen an

Mit dem Milliardenprojekt wollen die Unterzeichner das ungeheure Energiepotenzial in den Wüsten südlich des Mittelmeeres erschließen. Wichtigstes Kriterium: Die Anlagen müssen in politisch stabilen Ländern stehen. In der kalifornischen Mojave-Wüste und in Spanien gebe es bereits erste Anlagen.

Die Kraftwerke bündeln über Spiegel Sonnenlicht, erhitzen Spezialöl und wandeln dessen Wärme in Wasserdampf für den Antrieb von Turbinen um. Damit unterscheiden sie sich von Photovoltaik-Anlagen, die Strom direkt produzieren.

Jede vierte Kilowattstunde aus Afrika

Nach Angaben des DLR sind für die Umsetzung des Projekts rund 400 Milliarden Euro nötig. Früheren DLR-Angaben zufolge werden nur 0,3 Prozent der Wüstenfläche in der sogenannten Mena-Region (Middle East, North Africa) zum Bau solarthermischer Kraftwerke benötigt, um bis 2050 den dortigen Strombedarf vollkommen sowie um zwischen zehn und 25 Prozent des europäischen Verbrauchs zu decken.

Quelle: AFP