Sorgen in der Bevölkerung

Derzeit kein Strahlenrisiko für Europa zu befürchten

Die Atomkatastrophe in Japan birgt nach Einschätzung des Präsidenten des Bundesamts für Strahlenschutz, Wolfram König, derzeit kein gesundheitliches Risiko für Europa. Auch aus Japan kommende Lebensmittel seien unbedenklich. Gleichwohl macht sich die Bevölkerung Sorgen: Geigerzähler sind in Deutschland komplett ausverkauft.

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Berlin/Köln/Hamburg/München (dapd/red) - Gegenwärtig gebe es keine Anzeichen, dass es zu einer "irgendwie gearteten Konzentration" in Europa komme, die gesundheitsgefährdend sein könnte, sagte König am Mittwoch im ARD-"Morgenmagazin". Die Messgeräte in Europa könnten bereits feinste Spuren von Radioaktivität entdecken, betonte König.

Noch keine verseuchten Lebensmittel

Auch Lebensmittel in Deutschland seien derzeit noch nicht von den Auswirkungen der Reaktorkatastrophe in Japan betroffen. Wie das Bundesverbraucherministerium am Dienstag in Berlin mitteilte, gibt es keine Erkenntnisse, dass sich radioaktiv belastete Nahrung oder Futtermittel in Deutschland oder der EU befinden.

Für den Ernstfall sei über einen festgelegten Krisenmechanismus vorgesorgt, der nach dem GAU in Tschernobyl 1986 eingerichtet wurde. So sollen nur Erzeugnisse in die Europäische Union gelangen, die unterhalb der festgelegten Grenzwerte liegen. Ein Intensivmessprogramm des Bundesamts für Strahlenschutz dient dabei als Frühwarnsystem.

Ohnehin sei Japan im Lebensmittelsektor kein führender Handelspartner Deutschlands, erklärte das Ministerium. Nur ein kleiner Teil der Importe, insbesondere Sojasaucen, komme aus Fernost. Beim Speisefisch stammten 2010 nur 60 von über 900.000 Tonnen aus Japan.

Die Luftfahrt nimmt ebenfalls Proben

Flugzeuge aus Japan werden derzeit in München auf Radioaktivität getestet. Bislang seien alle Proben ohne Befunde geblieben, sagte ein Flughafensprecher am Mittwoch. Sowohl die Lufthansa als auch All Nippon Airways (ANA) würden die Flugzeuge freiwillig innen und außen testen. Passagiere würden derzeit nicht überprüft. Sollte an oder in einer Maschine Radioaktivität gefunden werden, müssten die Behörden entscheiden, wie es weitergeht.

Geigerzähler komplett ausverkauft

Obgleich das Strahlenrisiko hierzulande derzeit nicht erhöht ist, machen sich viele Menschen Sorgen. Beispielsweise sind derzeit Geigerzähler in Deutschland komplett ausverkauft. Das berichtet die "Financial Times Deutschland" (Mittwochausgabe). Geigerzähler könne sie derzeit "keinen liefern, nicht ein einziges Stück", sagte eine Sprecherin des Elektronikhändlers Conrad dem Blatt. Die Vorbestellungen lägen bereits "im Hunderterbereich".