Paradox

Der Spiegel: Ökostrom bringt dem Klima nichts

Rund 15 Prozent des deutschen Stromverbrauchs stammen mittlerweile aus erneuerbaren Energien. Das ist zwar vorbildlich, trägt jedoch laut einem aktuellen Bericht des Nachrichtenmagazins "Der Spiegel" wenig dazu bei, das EU-Ziel, klimaschädliches Kohlendioxid einzusparen, zu erreichen.

Stromnetz Ausbau© Gina Sanders / Fotolia.com

Die Europäische Union will den Ausbau erneuerbarer Energien vorantreiben und den Kohlendioxid-Ausstoß senken, so viel ist klar. Doch die beiden Ziele widersprechen sich offenbar, wie das Nachrichtenmagazin "Der Spiegel" in dieser Woche berichtet.

Hintergrund: Emissionsrechte gleichbleibend

In den Gesetzen zum EU-weiten Emissionshandel ist festgelegt, wie viel Kohlendioxid (CO2) die Stromkonzerne und die europäische Industrie ausstoßen dürfen. Diese Menge ist unveränderlich. Würden in Deutschland nun also Windräder und Solaranlagen gebaut, mache das den deutschen Strommix zwar umweltfreundlich, schaffe Arbeitsplätze und mache unabhängig von Stromimporten, doch je mehr Strom aus erneuerbaren Energien erzeugt werde, desto weniger müssten Kohlekraftwerke produzieren. Daher stünden pro Kilowattstunde Kohlestrom mehr CO2-Zertifikate zur Verfügung, rechnet "Der Spiegel" vor. Die Folge: Deren Preis fällt. Damit gehe der Anreiz, in klimafreundliche Technologien zu investieren, verloren.

Zudem könnten die deutschen Kraftwerksbetreiber ihre überschüssigen Zertifikate verkaufen, beispielsweise an osteuropäische Kraftwerksbetreiber, so dass diese mehr CO2 ausstoßen dürften als eigentlich vorgesehen. Damit sei dem weltweiten Klima jedoch recht wenig geholfen, heißt es in dem Bericht weiter.

Industriefreundliche Regelung durchgesetzt

Wie der Spiegel weiter berichtet, habe es unter Rot-Grün bereits Überlegungen zur Verfeinerung des Emissionshandels gegeben. Der damalige Umweltminister Jürgen Trittin (Grüne) wollte die EEG-Strommengen aus dem CO2-Handel herausrechnen, durchgesetzt habe sich aber das Wirtschaftsministerium unter Wolfgang Clement (SPD) mit der nun gültigen industriefreundlichen Regelung. Nun sei es laut Experten schwierig, die CO2-Menge während der laufenden Handelsperiode zu verändern. Schließlich könne man Unternehmen einmal zugeteilte Zertifikate nicht einfach wieder abnehmen.

Weiterführende Links
  • Zum Spiegel-Artikel