Solidarisch

Der "letzte Hornoer" kämpft wieder gegen Tagebau

Vor mehr als sechs Jahren ist Werner Domain für viele ein Held gewesen. Als letzter von 340 Einwohnern aus dem inzwischen abgebaggerten Dorf Horno bei Forst widersetzte er sich energisch einer Umsiedlung durch den Energiekonzern Vattenfall. Jetzt solidarisiert er sich mit Lausitzer Kohlegegnern gegen den Verlust ihrer Heimat.

Strompreise© Gina Sanders / Fotolia.com

Forst (dapd-lbg/dapd/red) - Mutig stellte Werner Domain sich lange Zeit den heranrückenden Baggern des Braunkohletagebaus Jänschwalde entgegen. Vor Gericht schaffte es Domain fast bis zur letzten Instanz.

"Es war ein Kampf David gegen Goliath", erinnert sich der heute 76-Jährige. Fast 20 Jahre führte er die Hornoer Gaststätte "Zum Dorfkrug". Zu seinem Anwesen gehörte nicht nur das elterliche Grundstück. "Auch ein etwa 5.000 Quadratmeter großer Garten mit über 70 Obstbäumen und vielen Edelgehölzen gehörte dazu", erzählt der Mann mit der karierten Schiebermütze.

Domain musste letztlich dem Tagebau weichen

Ihm ging es in erster Linie nicht um sein Eigentum und finanzielle Dinge, wie Domain betont. Er habe vielmehr davor gewarnt, wegen einer schmalen Kohleschicht von zwei bis drei Metern in rund 80 Meter Tiefe die Landschaft zu zerstören und die Leute aus ihrer Heimat zu vertreiben. "Schon damals habe ich anderen Kohlegegnern in der Lausitz damit Mut gemacht", sagt Domain stolz. Als Verlierer fühle er sich nicht, obwohl er im November 2005 einem Vergleich am Oberverwaltungsgericht (OVG) Berlin-Brandenburg zustimmen musste und sein Grundstück schweren Herzens verließ.

Zweite Heimat erneut im Kohlegebiet

Seit sechs Jahren lebt Werner Domain nun mit seiner Frau in der zweiten Heimat im Forster Ortsteil Mulknitz. "Allerdings auch wieder über einer 'Handbreit' Kohle, genauso wie in Horno", erzählt er. Der Ort mit seinen rund 100 Einwohnern ist derzeit nicht unmittelbar von Baggern bedroht.

"Einen Verlust der Heimat darf es nicht geben", sagt Domain. Mit Spruchbändern warnen die Mulknitzer am Ortseingang die Brandenburger Landesregierung und die Bergbauindustrie vor einer möglichen Vertreibung. "Wegen der Braunkohle muss kein einziges Dorf mehr in der Lausitz abgebaggert werden", fordert Domain. Die Kohle sei in den nächsten 30 Jahren ein Auslaufmodell und werde durch alternative Energien ersetzt.

Demonstrationen geplant

Den von Abbaggerung bedrohten Einwohnern der Ortschaften Atterwasch, Grabko, Kerkwitz und Welzow versichert er: "Ich kämpfe mit an Eurer Seite gegen den Verlust der Heimat!". Der geplanten Demonstration von Umweltgruppen am 13. August in Cottbus gegen neue Tagebaue und die CCS-Technologie zur Abscheidung und Speicherung von CO2 wünscht er Erfolg.