Geteiltes Echo

Der Klimaschutz-Kompromiss von Heiligendamm

Die führenden Industrienationen (G8) streben an, die globalen CO2-Emissionen bis 2050 um mindestens die Hälfte zu reduzieren. Verbindliche Vorgaben fehlen allerdings, was auf Kritik von Umweltverbänden und Opposition stieß.

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Heiligendamm/Berlin (red) - Die Staats- und Regierungschefs der G8 haben in Heiligendamm vereinbart, das Reduktionsziel gemeinsam in einem UN-Prozess umzusetzen. Dabei sollen auch die großen Schwellenländer eingebunden werden. Die Einigung darüber, dass verpflichtende Reduktionsziele nötig sind, sei "ein wichtiges Signal", so Bundeskanzlerin Angela Merkel.

 

Die Einzelheiten, wie die globalen Reduktionsziele erreicht werden sollen, wollen die Umweltminister des UN-Klimarahmenabkommens im Dezember in Bali verhandeln. Auf der dortigen Weltklimakonferenz soll eine Nachfolgeregelung für das Kyoto-Protokoll vereinbart werden, das 2012 ausläuft. Bail werde nunmehr zur Nagelprobe für die Ernsthaftigkeit der Vereinbarungen von Heiligendamm, so Umweltminister Sigmar Gabriel, der sich besonders erfreut davon zeigte, dass auch die USA den UN-Prozess eindeutig als das zentrale Forum anerkannt haben, um zukünftige Klimaschutzmaßnahmen zu verabreden.

Begleitend zu dem UN-Prozess haben Ländergruppen die Möglichkeit, ergänzende Vereinbarungen zu treffen, wie das gemeinsame Ziel erreicht werden soll. So wollen die G8 künftig auch neue Finanzierungsinstrumente einsetzen, um Klimaschutzprojekte in den Entwicklungsländern zu unterstützen, etwa mit den Erlösen aus der Versteigerung von Verschmutzungsrechten.

Erstmals haben auch alle alle acht Nationen der G8 die Ergebnisse des jüngsten UN-Klimaberichts anerkannt. Der so genannte IPCC-Bericht stellt fest, dass die Erderwärmung auf menschliches Handeln zurückzuführen ist.

Verbände wie der Naturschutzbund NABU zeigten sich enttäuscht vom Ergebnis des G8-Gipfels in Heiligendamm. "Das Klassenziel für den G8-Gipfel ist klar verfehlt worden", so Leif Miller, NABU-Bundesgeschäftsführer. Es sei nett, dass auch Kanada und die Vereinigten Staaten eine Halbierung der Treibhausgasemissionen bis 2050 "ernsthaft in Betracht ziehen" wollten. Erforderlich seien dafür aber eine Reduzierung um 80 Prozent in den Industrienationen und verbindliche Zwischenziele. Der Gipfel laufe Gefahr, sich in bedeutungslosen Absichtserklärungen zu verlieren, so Miller.

Der Umweltschutzverband WWF erkannte die Überzeugungsarbeit der Bundeskanzlerin eindeutig an, warnte jedoch vor Euphorie. Was der Kompromiss von Heiligendamm wert sei, werde sich spätestens beim nächsten Klimagipfel auf Bali zeigen.