Vergleich

Der GAU von Fukushima hochgerechnet auf Frankreich

Ein Atomunfall vom Ausmaß Fukushimas würde Frankreich einer Studie zufolge rund 430 Milliarden Euro kosten. Dabei machen die direkten Kosten durch die nukleare Verseuchung nur einen kleinen Teil aus - viel teurer würden die hohen Folgekosten, auch durch die erwartete hohe Zahl an "Atomflüchtlingen".

Atomstrom© dasglasauge / Fotolia.com

Cadarache/Berlin (AFP/red) - Ein Atomunfall vom Ausmaß Fukushimas würde Frankreich einer Studie zufolge rund 430 Milliarden Euro kosten. Selbst bei einem kleineren Unfall rechnet das staatliche Institut für Strahlenschutz und Nukleare Sicherheit (IRSN) mit Schäden von etwa 120 Milliarden Euro, wie sich aus der am Mittwochabend vorgestellten Untersuchung ergibt. Die Grünen warfen der Bundesregierung "stoisches Desinteresse" an dem Problem vor.

Folgekosten schlimmer als direkte Kosten

Nach Einschätzung des IRSN machen die reinen Kosten der nuklearen Verseuchung nur einen kleinen Teil der Gesamtkosten aus. In Frankreich werde ein vergleichbarer Unfall vermutlich rund 100.000 Atomflüchtlinge verursachen, heißt es in der Studie. Betroffen wären demnach etwa vier Départements sowie unter Umständen auch Nachbarländer Frankreichs. Allein der Kampf gegen die Verstrahlung der Umwelt würde laut Studie rund 110 Milliarden Euro kosten.

Schäden auch für Image und Tourismus

Teuer würde zudem die Abschaltung weiterer Atomreaktoren in der Folge, der Umstieg auf andere Energien und der notwendige Stromimport. Hinzu kämen demnach zudem "Imageschäden" etwa für französische Agrarprodukte und den Tourismus, die sich auf geschätzte 160 Milliarden Euro beliefen.

In den Reaktoren des japanischen Atomkraftwerks Fukushima Daiichi war es in Folge eines heftigen Erdbebens und eines Tsunamis am 11. März 2011 zu zwei Kernschmelzen gekommen. Es war das folgenschwerste Atomunglück seit dem Unfall von Tschernobyl 1986. Die Umgebung wurde weiträumig radioaktiv verstrahlt, zehntausende Anwohner mussten fliehen.

Grüne vermissen Bewusstsein für Gefahrenpotenzial

Die atompolitische Sprecherin der Grünen im Bundestag, Sylvia Kotting-Uhl, sagte, die IRSN-Studie müsse für die Bundesregierung ein Weckruf sein. Deren "stoisches Desinteresse" gegenüber den grenznahen Atommeilern Cattenom in Lothringen und Fessenheim im Elsass sei angesichts des Gefahrenpotenzials "völlig unangemessen". Deutschland müsse sich bei der französischen Regierung für eine schnelle Stilllegung dieser Anlagen engagieren.

Dabei müsse auch die "viel zu niedrige Atomhaftungspflicht" des französischen Stromkonzerns EDF angesprochen werden, forderte Kotting-Uhl. Während die deutschen Betreiber summenmäßig unbegrenzt für einen Atomunfall gerade stehen müssten, liege das Haftungslimit für EDF bei "haarsträubend niedrigen 91 Millionen Euro."

Quelle: AFP