Idee & Hintergrund

Der Emissionshandel: Was dahinter steckt

Der so genannte Emissionshandel ist ein wichtiges Instrument der europäischen Klimapolitik - doch nicht unumstritten. Der Handel mit Verschmutzungsrechten könne im Zweifelsfall sogar kontraproduktiv sein, monieren Umweltschützer. Die Redaktion erläutert, was beim Emissionshandel eigentlich passiert.

Netzausbau Ökostrom© Gina Sanders / Fotolia.com

Berlin (dapd/red) - Das dahinter stehende Prinzip ist: Unternehmen, die die Atmosphäre mit Treibhausgasen verschmutzen, brauchen dafür Rechte, so genannte Emissionszertifikate. Das gilt vor allem für Kraftwerke, Raffinerien und Stahl- und Zementwerke. Ihnen stehen eine bestimmte Menge an Rechten zur Verfügung, zugeteilt von einer nationalen Behörde. In Deutschland müssen rund zehn Prozent davon gekauft werden, der Rest wird kostenlos ausgegeben.

Braucht ein Unternehmen weniger Verschmutzungsrechte, weil es seinen CO2-Ausstoß verringert hat, kann es die dadurch überzähligen Zertifikate am Markt verkaufen: ein finanzieller Anreiz zum Klimaschutz. Firmen, die mehr Treibhausgase ausstoßen, als sie Rechte haben, müssen dazukaufen. Mit der Zeit wird die Gesamtmenge an zur Verfügung stehenden Zertifikaten verringert. Dadurch soll die Atmosphäre entlastet werden.

Gestartet ist der Emissionshandel im Jahr 2005 als ein Instrument aus dem UN-Klimaschutzabkommen von Kyoto.

Zuletzt gab es im November 2010 Berichte über angebliche Tricksereien deutscher Unternehmen zulasten der Umwelt in Entwicklungsländern. Zu diesem Ergebnis soll eine Studie im Auftrag der Umweltstiftung WWF gekommen sein. Deren Vorwürfe beziehen sich auf die Beschaffung günstiger Emissionszertifikate im Zusammenhang mit der Produktion des klimaschädlichen Gases HFC 23. Demnach entstünde durch das Instrument des Emissionshandels ein Anreiz, mehr klimaschädliches Gas zu produzieren, um danach mehr Zertifikate zu generieren, hieß es.