Reaktionen

Der deutsche Atomausstieg und das internationale Echo

Die Stimmen aus dem Ausland waren soweit erwartet worden: Frankreich reagiert reserviert, Österreich zustimmend, Schweden unsicher ob der schnellen Kehrtwende innerhalb von sieben Monaten. Die USA hat zum deutschen Ausstiegskonzept bislang offiziell äußerst zurückhaltend reagiert.

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Washington/Stockholm/Wien/Paris (afp/red) - Aufmerksam verfolgten US-Medien die Entscheidung in Berlin, bis zum Jahr 2022 das letzte Atomkraftwerk abzuschalten. Die US-Regierung hat dagegen zum deutschen Atomausstieg nicht viel zu sagen, zumindest offiziell. Auf Nachfrage zeigte sich Obamas Sprecher Jay Carney bei einer Pressekonferenz im Weißen Haus am Dienstag wortkarg: "Nun ja, dazu habe ich keine Reaktion."

Die Hoffnung, dass Washington mehr als Erstaunen für das Energieexperiment der deutschen Partner übrig hat, ist selbst bei Atomkraftkritikern gering. "Das ist sehr unwahrscheinlich", sagt etwa Nuklearexperte Robert Cowin von der Nichtregierungsorganisation Union of Concerned Scientists. Die Aufsichtsbehörde NRC habe keinen einzigen der vergangenen 60 Anträge auf Laufzeitverlängerung abgelehnt und werde nun sicher nicht damit anfangen. Zudem hatte sich Obama Ende März kurz nach dem Reaktorunglück im japanischen Fukushima in einer Grundsatzrede eindeutig zum Bau neuer Atomkraftwerke in den USA bekannt. Seine Regierung stellt Milliardensummen als Kreditgarantien bereit, um die Kernkraft in den kommenden Jahren voranzutreiben.

Unterschiedliche Reaktionen in Europa

Das Konzept für einen Atomausstieg bis 2022 ist in Europa auf ein geteiltes Echo gestoßen. Der schwedische Umweltminister Andreas Carlgren befürchtet eine "sehr unregelmäßige" Energiepolitik der Bundesregierung, wie er am Montag nach Angaben der schwedischen Nachrichtenagentur TT sagte. Anders als Stockholm begrüßte die österreichische Regierung den geplanten Atomausstieg in Deutschland. "Diese Entscheidung eines weiteren hoch industrialisierten Staates hat eine ganz starke Signalwirkung", erklärte Umweltminister Nikolaus Berlakovich. Das Vorhaben zeige, "dass ein Atomausstieg machbar und möglich" sei.

Die französische Regierung respektiert den Atomausstieg in Deutschland, hält aber auch in Zukunft an der Atomkraft fest. Frankreich achte die Entscheidung des Nachbarlandes, sagte Ministerpräsident François Fillon am Montag in Straßburg. Die französische Regierung habe aber eine andere Wahl getroffen. Frankreich ist der größte Atomstromproduzent Europas und bezieht knapp vier Fünftel seiner Energie aus Atomkraftwerken. Im Gegensatz zu Deutschland gab es im Nachbarland nach dem Atomunglück in Fukushima keine breite Debatte über die Atomkraft.