Ökostrom

Der Bodensee als perfekter Energiespeicher

Bisher war die thermische Nutzung des Wassers im Bodensee tabu. Seit Mitte Mai sind die Regeln jedoch gelockert worden, Fachleute bewerten das Vorhaben positiv und auch von politischer Seite gibt es bisher keine Einwände. Konsequenzen aus der grünen Energie wären jedoch riesige Rohre und Kraftwerke am See.

Solarenergie© gunnar3000 / Fotolia.com

Konstanz/ Zürich (red) – Der Bodensee beherbergt einen großen Schatz: Energie. Denn im Herbst gibt der See die im Sommer gespeicherte Wärme in Form von riesigen Nebelschwaden wieder ab. Die Wärme könnte gut dazu verwendet werden, um Schulen, Fabriken und ähnliches zu beheizen. Bislang verpufft die Energie, weil es seit 1987 ein Gesetz gibt, welches verbietet, das Wasser für die Erzeugung von Energie zu verwenden.

Verbot aufgehoben

Das strenge Verbot wurde im Mai dieses Jahres gelockert. Hintergrund ist die Klimaerwärmung, die im Alpenraum besonders zu spüren ist, so Friedrich Seyler vom Bayerischen Landesamt für Umwelt und Vorsitzender des IGKB (Sachverständigenkreis der Internationalen Gewässerschutzkommission für den Bodensee).

Die thermische Nutzung des Sees steht im Interessenfeld der an ihn angrenzenden Länder, Österreich, Deutschland und die Schweiz. Das Verfahren funktioniere prinzipiell so, dass Wärme und damit Energie, von einer Stelle zur anderen transportiert werde. In Folge dessen könnten gigantische Rohrleitungen entstehen, die das Wasser zu Kraftwerken in der Nähe des Ufers transportieren. Die thermischen Werke sind bis zu einer Gesamtleistung von einem Gigawatt zugelassen worden, was laut stuttgarter-nachrichten.de fast der Energiebereitstellung eines Atomkraftwerks entspricht. "Wenn eine Gemeinde oder ein Unternehmen die thermische Energie des Bodensees nutzen will, geht das jetzt. Wir haben die Voraussetzungen dafür geschaffen ", erläuterte Seyler.

Kein negativer Eingriff

Fachleute bewerten die thermische Nutzung des Seewassers positiv. Professor Wüest vom Wasserforschungsinstitut Eawag der Schweizer Eidgenössischen Technischen Hochschule hält die Nutzung für "beinahe zwingend", so der Bericht. Aktuelle Untersuchungen zur Wärmebilanz geben ebenfalls grünes Licht: Demnach könnte die Nutzung des Wassers einen Temperaturanstieg von maximal zwei Grad Celsius nach sich ziehen – ein Umstand, den man aufgrund der natürlichen Temperaturschwankungen vernachlässigen könnte. Sogar positive Effekte soll der Eingriff auf die Fieberkurve des Sees haben: Durch die Nutzung der Wärme im Winter kühlt sich der See ab, die Durchmischung wird angeregt und wirkt so "revitalisierend", sagt Ulrich Lang, Geschäftsführer bei Professor Kobus und Partner. In der Schweiz würden andere Seen schon länger thermisch genutzt.

Politische Befürwortung

Auch politisch würde das Vorhaben bisher unterstützt. Die Bürgermeister der Gemeinden am See zeigten sich ebenso einverstanden wie der BUND. Franz Untersteller, der Umweltminister Baden-Württembergs, bewerte die Pläne ökologisch wie ökonomisch als vorteilhaft. Auch die Opposition zeige sich einverstanden. Und erste Investoren seien bereits dabei, über Projekte zu sprechen.

Gewässerspezialist Wüest sieht im Bodensee einen fast perfekten Energiespeicher: "Eine große Badewanne, mit optimalen Strömungen und großen Städten als Energieabnehmer außen herum".