Kein "Supernetz"

dena warnt vor weiteren Verzögerungen beim Netzausbau

Langwierige Genehmigungsverfahren und regionale Widerstände gegen den Bau einzelner Trassen drohen das Erreichen der klima- und energiepolitischen Ziele zu gefährden, befürchtet die Deutsche Energie-Agentur. Die Jarass-Obermair-Kritik an der Netzstudie I wies die dena indes zurück.

Netzausbau Ökostrom© Gina Sanders / Fotolia.com

Berlin (red) - Der Hintergrund: Der Anteil Erneuerbarer Energien an der Stromversorgung muss bis im Jahr 2015 mindestens 20 Prozent erreichen, um das von der Bundesregierung beschlossene Ausbauziel von 25 bis 30 Prozent bis zum Jahr 2020 realisieren zu können. Deshalb muss das Höchstspannungsnetz für die Durchleitung des Windstroms bis zum Jahr 2015 um 850 Kilometer erweitert und auf einer Länge von 400 Kilometern verstärkt werden.

Dies wurde in der dena-Netzstudie I unter breiter Beteiligung aller wichtigen Akteure begründet und beinhaltet auch eine neue 380-Kilovolt-Verbundleitung durch Thüringen nach Bayern. Die Kritik daran, die die Professoren Lorenz Jarass und Gustav Obermair in einem Gutachten erhoben haben, weist die dena zurück.

Das Ende Oktober in Thüringen vorgestellte Gutachten von Jarass und Obermair liefere keine überzeugenden Argumente gegen die geplante 380-Kilovolt-Verbundleitung zwischen Halle und Schweinfurt, so die Sicht der dena. Die Autoren gingen von zu niedrigen Windprognosen aus und ignorierten den gesetzlich vereinbarten Ausbau der Erneuerbaren Energien ebenso wie die Verpflichtung der Netzbetreiber, die dafür notwendigen Kapazitäten zur Verfügung zu stellen. Grundsätzlich sei es falsch, den Bedarf für eine einzelne Leitung isoliert vom Gesamtnetz und nur für einen kurzen Zeitraum zu bewerten.

Der von den Autoren vorgeschlagene Stopp des Netzausbaus würde laut dena dazu führen, dass im Jahr 2020 bis zu 22 Prozent des Windstroms nicht erzeugt werden könnten, weil nicht genügend Transportkapazität verfügbar wäre. Windturbinen müssten gerade bei guten Windverhältnissen gedrosselt werden, obwohl der Strom gebraucht wird. Stattdessen müsste der Strom in Kohle- oder Atomkraftwerken erzeugt werden.

Die von Jarass und Obermair vorgenommene Bilanzierung der externen Kosten und der wirtschaftlichen Zumutbarkeit der Südwestkuppelleitung sei in weiten Teilen nicht nachvollziehbar. Sie stünde auch im Widerspruch zu Gutachten, die dieselben Autoren für andere Auftraggeber, wie zum Beispiel das Bundesumweltministerium, erstellt haben. Bei der Diskussion alternativer Technologien würden wesentliche Sicherheitsfragen ausgeschlossen. Die Forderung nach einem übergelagerten "Supernetz" könne nicht ernst genommen werden, da dessen Planung und Realisierung heute nicht absehbar sei.