"Aussichtsreich"

dena: Neue Biokraftstoffe haben großes Potenzial

Biokraftstoffe der zweiten Generation wie "Biomass to Liquid" (BtL) sind technisch machbar und eine der vielversprechendsten Optionen im Kraftstoffbereich. Das belegt eine Studie, die von der Deutschen Energie-Agentur GmbH (dena) geleitet und von einem Konsortium aus Industrie und Politik in Auftrag gegeben wurde.

Stromzähler© Gina Sanders / Fotolia.com

Berlin (red) - Wie die dena bei der heutigen Präsentation der Studie in Berlin mitteilte, wäre in Deutschland ausreichend Biomasse für die großtechnische BtL-Produktion vorhanden, um 20 Prozent des heutigen Kraftstoffverbrauchs zu decken. Bis zum Jahr 2030 liege das technische Potenzial sogar bei bis zu 35 Prozent, dabei sei allerdings die zu erwartende Konkurrenz bei der Nutzung der Biomasse mit den Bereichen Strom, Wärme und Chemie nicht berücksichtigt. Die Kosten für die Produktion von einem Liter BtL-Kraftstoff lassen sich laut Studie auf unter 80 Cent senken, wenn die vorhandenen Optimierungspotenziale ausgeschöpft werden.

Der heutige Stand der Technologie erlaubt die Realisierung erster großtechnischer Anlagen zur BtL-Produktion, die für die Wahrung und den Ausbau der technologischen Spitzenposition Deutschlands auf diesem Gebiet von entscheidender Bedeutung sein wird. Parallel sorgen weitere Forschung, Entwicklung und Demonstration für die Umsetzung identifizierter Optimierungspotenziale und die Minderung der verbleibenden Risiken, so das Fazit der Studie.

Mit der Studie seien die Grundlagen für die Realisierung einer großtechnischen BtL-Produktion in Deutschland erarbeitet worden, erläuterte Stephan Kohler, Geschäftsführer der dena. Ausgegangen wurde von einer Anlage, die rund eine Million Tonnen Biomasse pro Jahr verarbeitet. Potenzielle Investoren könnten anhand der Studie die Chancen und Risiken der großtechnischen BtL-Produktion besser einschätzen. Der Politik würden wichtige Anhaltspunkte über den weiteren Förderbedarf und die Schaffung geeigneter gesetzlicher und fiskalischer Rahmenbedingungen gegeben. "Die bis 2015 beschlossene Steuerbegünstigung des BtL-Kraftstoffs ist von zentraler Bedeutung, aus heutiger Sicht jedoch nicht ausreichend. Eine zeitlich befristete weitere Förderung über 2015 hinaus ist daher geboten", betonte Kohler.

"BtL erweist sich als eine der aussichtsreichsten Technologien zum Einsatz erneuerbarer Energien im Kraftstoffbereich", betonte Thomas Schlick, Geschäftsführer des Verbandes der Automobilindustrie (VDA). "Dank ihres großen Potenzials zur CO2-Einsparung und Effizienzsteigerung können BtL-Kraftstoffe entscheidend dazu beitragen, die Klimabilanz des Verkehrs deutlich weiter zu verbessern." Aufgrund der Tatsache, dass BtL-Kraftstoffe vollständige Kompatibilität mit heutigen und künftigen Motorengenerationen aufweisen, könnten sie ohne technische Anpassungen in herkömmlichen Motoren zum Einsatz kommen - und das sofort, betonte Schlick. Deshalb unterstützten Automobilhersteller seit Jahren die Entwicklung und Produktion von BtL-Kraftstoffen. "Die Ergebnisse der heute vorgestellten Studie zeigen, dass die deutsche Automobilindustrie mit ihrem BtL-Engagement auf das richtige Pferd gesetzt hat", so der VDA-Geschäftsführer.

Anders als bei herkömmlichem Biodiesel können bei der BtL-Technologie verschiedene pflanzliche Rohstoffe vollständig verwertet werden, von Holz- und Bioabfällen bis hin zu eigens für die Kraftstofferzeugung angebauten Energiepflanzen. In Pilotanlangen wurden bisher verschiedene Herstellungsverfahren getestet. Dabei wird die Biomasse erst in ein Synthesegas umgewandelt. Dieses Gas wird gereinigt und im anschließenden Syntheseschritt zu flüssigem Kraftstoff verarbeitet. Pro Hektar lassen sich so bis zu 4000 Liter BtL-Kraftstoff gewinnen.

Eine Zusammenfassung der BtL-Realisierungsstudie ist im Internet erhältlich.

Auftraggeber und Finanziers der BtL-Realisierungsstudie sind: Verband der Automobilindustrie (VDA), BASF AG, Deutsche BP AG, TOTAL Deutschland GmbH, Lurgi AG, Choren Industries GmbH. Die Fachagentur für Nachwachsende Rohstoffe e.V. (FNR) unterstützte das Projekt mit Mitteln der Bundesministerien für Ernährung, Landwirtschaft und Verbraucherschutz (BMELV), für Verkehr, Bau und Stadtentwicklung (BMVBS) sowie für Umwelt, Naturschutz und Reaktorsicherheit (BMU). Die verschiedenen Studienteile wurden von unabhängigen Fachinstituten und Unternehmen erstellt (Ludwig Bölkow Systemtechnik GmbH, Fichtner GmbH & Co. KG, Rödl & Partner GbR, NORD/LB). Die dena leitete und koordinierte das Projekt.

Der Bundesverband Freier Tankstellen forderte unterdessen erneut, die Besteuerung von Biodiesel zurückzunehmen. "Zwangsbeimischung könnte den Markt für reine Biokraftstoffe abwürgen", so Axel Graf Bülow, Hauptgeschäftsführer des Verbandes. Er forderte den Gesetzgeber auf, "sehr schnell" die Besteuerung von Biodiesel zurücknehmen, um die Motivation des Mittelstands bei der Vermarktung von Biokraftstoffen insgesamt nicht erlahmen zu lassen.

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