Wendland

Demos gegen Castor-Transporte gehen weiter

Rund 400 Atomkraftgegner haben nach Polizeiangaben am Sonntag in Gorleben gegen weitere Castor-Transporte demonstriert. Dabei wurden unter anderem Forderungen laut, den für November geplanten Castor-Transport wegen der in Gorleben gemessenen erhöhten Strahlung abzusagen.

Netzausbau© Günter Menzl / Fotolia.com

Gorleben (dapd/red) - An der Kundgebung vor dem Erkundungsbergwerk für ein Endlager hätten sich auch etwa 30 Landwirte mit ihren Traktoren beteiligt, sagte Polizeisprecher Kai Richter. Die Proteste seien bis zum Nachmittag friedlich verlaufen.

Demos gegen Atomenergie und aktuelle Strahlenwerte

Der für November geplante Transport ins Wendland müsse wegen der am Zwischenlager Gorleben gemessenen erhöhten Strahlung abgesagt werden, sagte die Vorsitzende der Bürgerinitiative (BI) Umweltschutz Lüchow-Dannenberg, Kerstin Rudek, am Rande der Kundgebung. Am Donnerstag waren die Ergebnisse von Radioaktivitätsmessungen am Zwischenlager bekannt geworden. Demnach wird für das gesamte Jahr eine Grenzwertüberschreitung an einer Messstelle nicht ausgeschlossen.

Wie das niedersächsische Umweltministerium präzisierte, wurde im Juni an einem Messpunkt am Zaun des Zwischenlagers eine Neutronenstrahlung ermittelt, die einem Jahreswert von 0,27 Millisievert entspricht. Die aktuellen Gammastrahlen-Werte der gleichen Messstelle seien noch nicht ausgewertet. Neutronen- und Gammastrahlung zusammen dürfen 0,3 Millisievert im Jahr nicht überschreiten.

Fachgespräch für Dienstag geplant

Das Ministerium hat deshalb vom Zwischenlager-Betreiber GNS verlangt, vor der Einlagerung weiterer Castor-Behälter für eine Verringerung der Strahlenbelastung Sorge zu tragen. Für Dienstag sind Vertreter der GNS sowie des TÜV-Nord zu einem Fachgespräch nach Hannover eingeladen worden.

Die Gründe für die im Vergleich zum Vorjahr angestiegene Neutronenstrahlung blieben weiter unklar. Während Atomenergie Gegner auf eine stärkere Strahlung der beim bislang jüngsten Castortransport im November 2010 angelieferten Brennelemente hinwiesen, hatte das Umweltministerium die Vermutung geäußert, die erhöhten Werte könnten auch wegen der Verschiebung des fraglichen Messpunktes am Zaun um vier Meter entstanden sein.

"Irreführende und falsche" Informationen

Neben Anti-Atom-Initiativen bekräftigten am Wochenende Umweltverbände und Oppositionsparteien ihre Forderung nach einer Absage zumindest des für November geplanten Castor-Transportes. Die Grünen-Europaabgeordnete Rebecca Harms warf dem Umweltministerium in Hannover "irreführende und falsche" Informationen in der Sache vor. So treffe die Erklärung einer Ministeriumssprecherin nicht zu, dass innerhalb des Zwischenlagers auch von den Behörden die Radioaktivität in der Luft gemessen werde.

Der parteilose Landrat von Lüchow-Dannenberg, Jürgen Schulz, äußerte sich skeptisch zu Angaben des Ministeriums, dass es gelingen könne, die Strahlung in den Griff zu bekommen. "Diese Aussagen kennen wir. Das war damals auch beim Tschernobyl-Unfall so", sagte Schulz dem NDR. Das Ministerium solle einen Vertreter zur Sitzung des Lüchow-Dannenberger Kreisausschusses am Montag und des Atomausschusses am Dienstag entsenden.