Frage der Sicherheit

Defekte Bauteile im AKW Grohnde entdeckt

Im Atomkraftwerk Grohnde bei Hameln wurden mehrere defekte Bauteile im nicht-nuklearen Bereich und auch im Reaktorkern entdeckt. Die bisherigen Kontrollkriterien, wie etwa die nur stichprobenhafte Überprüfung von Drosselklappen, müssten neu durchdacht werden, so Umweltminister Wenzel.

Atomkraftwerk© Oliver Hausen / Fotolia.com

Grohnde (dpa/red) - Wegen defekter Bauteile im Reaktorkern des niedersächsischen Atommeilers Grohnde bei Hameln könnten umfassende Kontrollen auf die anderen deutschen Kernkraftwerke zukommen. Niedersachsens grüner Umweltminister Stefan Wenzel sagte am Dienstag in Hannover, nachdem zuletzt bei dem rund 30 Jahre alten AKW drei beschädigte Drosselklappen zur Kühlung der Brennstäbe entdeckt worden seien, müsse nun geprüft werden, ob auch an anderen Reaktoren in Deutschland gleiche oder ähnliche Bauteile verwendet würden. "Das ist eine sicherheitstechnisch sehr bedenkliche Angelegenheit", sagte er.

Defekte Bauteile im Reaktorkern

Das AKW war im April für die jährliche Routine-Revision vom Netz genommen worden. Dabei stellten Techniker zunächst im nicht-nuklearen Bereich einen Schaden fest. Bei der vom Umweltministerium geforderten Überprüfung wurden schließlich auch im Reaktorkern defekte Bauteile entdeckt. Obwohl die Überprüfung der insgesamt 132 sogenannten Drosselklappen noch nicht abgeschlossen sei, wurden bereits drei beschädigte Federn gefunden. "Schon jetzt ist damit klar, dass es sich hier um keinen Einzelfall handelt", sagte Wenzel.

Weiteres Vorgehen noch nicht absehbar

Der Betreiber Eon hatte für Donnerstag einen umfassenden Bericht zur laufenden Kontrolle angekündigt. Erst wenn dieser Bericht vorliege und die Kontrollen vollständig abgeschlossen seien, könne das weitere Vorgehen festgelegt werden, so Wenzel. In seinem Ministerium werde geprüft, ob die bisherigen Kriterien für die Routine-Revisionen ausreichend seien. Bislang wurden die Drosselklappen dabei nur stichprobenartig kontrolliert.

Auch sei zu klären, ob ein externer Sachverständiger eingeschaltet werden müsse. "Das ist ein Fall, den wir sehr ernst nehmen", sagte Wenzel. Wann das Atomkraftwerk Grohnde wieder ans Netz gehen kann, ist völlig unklar. Der Atommeiler soll nach den Plänen der Bundesregierung 2022 als letzter niedersächsischer Reaktor abgeschaltet werden.

Update: Weitere defekte Bauteile

Im Atomkraftwerk Grohnde werden bei der Kontrolle des Reaktorkerns immer mehr defekte Bauteile entdeckt. Bei der noch laufenden Überprüfung der sogenannten Drosselkörper seien mittlerweile bereits sechs kaputte Federn festgestellt worden, sagte Niedersachsens Umweltminister Stefan Wenzel (Grüne) am Donnerstag in Hannover. Von den 132 im Reaktorkern verbauten Teilen seien bislang 98 kontrolliert worden.

Quelle: DPA