Erzeugungsanteil von 35 Prozent

DatF: Deutsche Ausstiegspolitik macht international keine Schule

Das Deutsche Atomforum e.V. sieht die Kernenergie europaweit im Aufwind: Nach wie vor ist Kernenergie nach fossilen Brennstoffen die zweitwichtigste Stromquelle in der Europäischen Union - und das wird auf absehbare Zeit wohl auch so bleiben. DatF-Chef Michel kritisierte im Rahmen der Wintertagung auch die Verzögerung bei der Endlagersuche.

Strompreise© Gina Sanders / Fotolia.com

Das Deutsche Atomforum e.V. (DAtF) sieht die Kernenergie europaweit im Aufwind - das zumindest ist die zentrale Botschaft der Wintertagung des DAtF in Berlin, die in diesem Jahr unter dem Motto "Kernenergie und Versorgungssicherheit in der erweiterten Europäischen Union" steht und an der rund 200 internationale Gäste aus Wissenschaft, Wirtschaft und Politik teilnehmen.

Mit durchschnittlich rund 35 Prozent stelle die Kernenergie nach fossilen Brennstoffen die zweitwichtigste Stromquelle in der Europäischen Union (EU) dar, hieß es. Sämtliche acht EU-Staaten, die heute über Kernkraftwerke verfügen, würden die Kernenergie zumindest mittelfristig weiter nutzen. Neben Finnland, wo 2009 ein neuer Reaktor ans Netz gehen soll, bereite nun auch Frankreich die Weichenstellung für einen Ausbau seiner Kernkraftnutzung vor. Die Schweizer Bevölkerung indes hat sich im vergangenen Jahr mehrheitlich für eine Weiternutzung der Kernenergie ausgesprochen, zudem wollten fünf EU-Beitrittsstaaten auch in Zukunft an der nuklearen Stromerzeugung festhalten. Diese Bilanz zeige, dass die Ausstiegspolitik der deutschen Bundesregierung international keine Schule mache.

In seiner Eröffnungsansprache stellte der Präsident des DAtF, Dr. Gert Maichel, die Leistungsbilanz der Kernenergie in Deutschland vor. Deutliche Kritik übte er an den Plänen des Bundesministeriums für Umwelt, Naturschutz und Reaktorsicherheit (BMU) in Fragen der Endlagerung. Ein von Grund auf neues Verfahren zur Standortsuche sei sehr kostspielig und würde die Inbetriebnahme eines Endlagers unnötig verzögern. Zudem verfüge Deutschland mit dem Standort Gorleben bereits über ein Projekt, an dessen Eignung bislang keine Zweifel bestünden.

Auch der vom BMU gewünschte Wechsel zum "Ein-Endlager-Konzept" sei für Maichel nicht nachvollziehbar. In diesem Zusammenhang verwies er auf die jüngste Feststellung des Bundesrechnungshofs, der die bisherige Vorgehensweise des BMU bei den Untersuchungen als "nicht zielgerichtet, unwirtschaftlich und wenig transparent" bezeichnete. Sowohl die Projektgruppe "Nationaler Entsorgungsplan" als auch der vom BMU selbst ins Leben gerufene AkEnd könnten in diesem Konzept keine Vorteile finden. Aus diesem Grund forderte Dr. Maichel: "Statt sich auf ein "Ein-Endlager-Konzept" zu versteifen, sollten die Projekte Konrad und Gorleben zügig weiterverfolgt werden. Und statt deutschlandweit auf einen neuen Suchlauf mit ungewissem Ausgang zu setzen, sollten besser die Zweifelsfragen zum Salzstock Gorleben geklärt werden, um anschließend mit den Erkundungen bereits ab 2005 fortzufahren".

"Eine Übernahme zusätzlicher Kosten, die aus einem neuen Standortauswahlverfahren resultieren, wird konsequenter Weise abgelehnt. Vielmehr drängt die Branche zum wiederholten Male darauf, dass die Bundesregierung endlich, wie zugesichert, den Standort Gorleben durch eine atomrechtliche Veränderungssperre für die Zukunft sichert", so Maichel weiter. Damit fordert das DAtF die Bundesregierung erneut auf, sich auch bezüglich der Endlagerung uneingeschränkt an ihre Zusagen aus der Vereinbarung vom 11. Juni 2001 zu halten.