"Daten sofort löschen": Preis-Dumper "Stromhansa" gibt nach wenigen Tagen auf

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Aus für "Stromhansa": Der Billig-Anbieter aus dem hessischen Bad Emstal, der die Kilowattstunde Strom für 18 Pfennig angeboten und auf eine monatliche Grundgebühr gänzlich verzichtet hatte, hat sich nach nur wenigen Tagen aus dem Geschäft zurückgezogen. "Aufgrund eines Unterlassungsverlangens eines großen Wettbewerbers innerhalb der Strombranche ist uns der Stromverkauf unter dem Namen Stromhansa wegen eventueller Rechtsverletzung nicht mehr möglich. Wir haben deshalb unsere Geschäftstätigkeit eingestellt. Bitte löschen Sie sofort alle unsere Daten". Mit diesen lapidaren Worten - der Redaktion des strom magazins via e-mail übermittelt - begründete "Stromhansa"-Geschäftsführer Lutz Strakeljahn den Rückzug des Unternehmens. Damit ist eingetreten, was das strom magazin angesichts des unseriösen Auftretens des Stromanbieters mehr oder weniger prognostiziert hatte: Nach der Paderborner "Mehrstrom" GbR (lesen Sie hier) hat offensichtlich ein weiterer Preis-Dumper die Anforderungen des liberalisierten Strommarkts unterschätzt - und aufgegeben.


Informationen darüber, welcher der "großen Wettbewerber" ein Unterlassungsverlangen in die Wege geleitet hat, liegen dem strom magazin nicht vor. Ebenso ist unbekannt, ob "Stromhansa" demnächst vielleicht unter anderem Namen erneut auf dem Strommarkt Fuß zu fassen versucht.


"Die Stromhansa wirft mehr Fragen auf, als sie Antworten gibt. Das strom magazin meint: nicht sehr vertrauenswürdig". Derart hatte die Redaktion des strom magazins das Angebot des neuen Anbieters kommentiert - und kurzerhand mit einem doppelten Minus versehen. Denn das Angebot wies auf den ersten Blick gravierende Mängel auf.


Zum einen: "Stromhansa" trat als reiner Internet-Stromanbieter auf - wer mit dem Unternehmen Kontakt aufnehmen wollte, war auf e-mail sowie auf eine Postfach-Adresse (!) angewiesen. Nachdem das strom magazin anfangs noch die Hausanschrift des Unternehmens in der Anbieterliste geführte hatte, bekam die Redaktion am Freitag vergangener Woche eine e-mail mit der Bitte, künftig nur mehr die Postfach-Adresse zu nennen. Die schwer nachvollziehbare Begründung: "Wir haben durch die Nennung unserer Hausanschrift erhebliche Probleme im Telefonverkehr mit unseren Nachbarn".


Sodann war die mittlerweile entfernte Website des Unternehmens in vielerlei Hinsicht fehlerhaft. Zeitweise funktionierten Links nicht, HTML-Formatierungsfehler hatten sich eingeschlichen, überdies beinhalteten die Allgemeinen Geschäftsbedingungen zahlreiche Rechtschreibfehler. Auch die Preisangaben und etwaige Zusatzkosten in Sachen Stromzähler blieben letztlich undurchsichtig.


"Ex-Monopolisten sind zur Versorgung aller Kunden in ihrem Gebiet gesetzlich verpflichtet. Versagt ein Preisdumper, müssen sie einspringen". - Mit diesen Worten hatte "Stromhansa" potenzielle Interessenten für sich gewinnen wollen. Ein Zeichen?


Thomas Liebau