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Äpfel und BirnenMonatelang hat die Bundesregierung auf das mit Spannung erwartete Gutachten zu den Auswirkungen unterschiedlicher Laufzeitverlängerungen verwiesen; nun liegen die Ergebnisse vor. Verbände und Wissenschaftler erheben deutliche Kritik an dem Gutachten. Wir haben die wichtigsten Kritikpunkte zusammengefasst.
Berlin (ddp/red) - Wie es heißt, seien die Annahmen der Forschungsinstitute nicht plausibel. Auch kritisieren Verbände und Wissenschaftler, dass die Interpretation von Wirtschaftsminister Rainer Brüderle (FDP), das Gutachten lege Laufzeitverlängerungen zwischen 12 und 20 Jahren nahe, nicht gedeckt sei.
Die Nachrichtenagentur ddp dokumentiert die Kritikpunkte am Atomgutachten, das das Energiewirtschaftliche Institut an der Universität Köln (EWI), die Gesellschaft für wirtschaftliche Strukturforschung (GWS) und die Prognos AG in den vergangenen Wochen erstellt hatten:
Übereinstimmend monieren die Kritiker, dass die Gutachter Äpfel mit Birnen vergleichen hätten. So wichen die Grundannahmen für die acht Szenarien mit Laufzeitverlängerung (um 4, 12, 20, 28 Jahre mit jeweils unterschiedlich hohen Nachrüstkosten) von denen im Referenzszenario ohne Laufzeitverlängerung ab.
(Foto / Abb.: Kurt F. Domnik / pixelio.de)Die Organisation Germanwatch bemängelt, dass im Fall von längeren Meilerlaufzeiten jährliche Effizienzsteigerungsraten von 2,3 bis 2,5 Prozent angenommen werden, im Vergleichsszenario hingegen nur 1,7 bis 1,9 Prozent. Auch liege den Berechnungen in den acht Modellen mit Laufzeitverlängerung ein CO2-Preis von 75 Euro pro Tonne zugrunde, im Ausgangsmodell steige der Preis lediglich auf 50 Euro. Der Ausbau der erneuerbaren Energien liegt in den Modellen mit Laufzeitverlängerung im Jahr 2050 bei rund 50 Prozent des Primärenergieverbrauchs, im Vergleichsszenario aber nur bei 31,8 Prozent. Übereinstimmend weisen die Kritiker darauf hin, dass die Bundesregierung selbst in ihrem aktuellen Aktionsplan erneuerbare Energien davon ausgehe, dass diese bis 2020 bereits 38,6 Prozent des Strombedarfs decken könnten.
Der WWF kommt in einer Stellungnahme zu dem Schluss, dass eine Laufzeitverlängerung keinen nennenswerten Einfluss auf das Wirtschaftswachstum habe. Die Studie ergebe ein maximales Wirtschaftswachstum von 0,71 Prozent im Jahr 2050, wenn die Laufzeiten um 4 beziehungsweise 28 Jahre verlängert würden. Für die Szenarien 12 und 20 werde lediglich ein Wachstum von 0,56 und 0,54 Prozent erwartet.
In ihrer Studie für die Bundesregierung gehen die Gutachter davon aus, dass die Strompreise für die Haushalte in allen Zeithorizonten ungefähr vergleichbar sind. Ein ähnliches Bild ergibt sich für Handel und Gewerbe. Allerdings prognostizieren die Autoren in den verschiedenen Modellen mit Laufzeitverlängerung einen drastischen Verfall der Großhandelspreise. Bei einer Laufzeitverlängerung um 12 beziehungsweise 20 Jahre gehen die Gutachter für das Jahr 2050 von einem Großhandelspreis in Höhe von rund 20 Euro pro Megawattstunde aus.
Der WWF bezeichnet die Annahmen als "spekulativ", weil unterstellt werde, dass der Strom billig aus dem Ausland importiert werden könne. Felix Matthes vom Öko-Institut verweist in einer Kurzexpertise darauf, dass andere Analysen längerfristig zu einem Großhandelspreis in einer Größenordnung von 80 bis 90 Euro pro Megawattstunde kämen. Daher sei die Annahme erheblicher Stromimporte nicht konsistent zu den sonstigen Modellergebnissen und damit letztlich illusorisch.
Die Klimaschutzziele der Bundesregierung werden in allen Szenarien mit Laufzeitverlängerungen erreicht, nicht aber im Ausgangsmodell, in dem es beim Atom-Ausstieg bliebe. Matthes weist jedoch darauf hin, dass sich die Schwankungen in der CO2-Ersparnis vor allem in Bereichen bemerkbar mache, die vom Emissionshandel betroffen seien. Damit hebe sich der Effekt wieder auf, weil jede Tonne, die in Deutschland mehr eingespart werde, woanders durch das System des Emissionshandels mehr verbraucht werden könne.
Die Kritiker äußern erhebliche Bedenken an der Annahme, dass die Preise für Steinkohle, Gas und Uran etwa auf Höhe des heutigen Niveaus bleiben werde, der Ölpreis jedoch deutlich ansteigen werde.
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Selbst eine so genannte moderate Laufzeitverlängerung von 10 Jahren könnte dazu führen, dass der letzte Atommeiler erst im Jahre 2053 abgeschaltet würde. Laut einer Berechnung von Greenpeace würde sich die Atommüllmenge im Vergleich zum rot-grünen Ausstiegsszenario bis dahin verdreifacht haben.
Im Bundespräsidialamt ist laut einem Zeitungsbericht die Entscheidung über längere Laufzeiten für Atomkraftwerke im Kern gefallen. Am Freitagmittag dementierte das Amt den Bericht. Das erwähnte interne Gutachten der Verfassungsjuristen von Bundespräsident Christian Wulff existiere nicht, hieß es.
Die von den Befürwortern vielfach beschworenen volkswirtschaftlichen Vorteile einer Laufzeitverlängerung für die deutschen Kernkraftwerke halten einer Überprüfung nicht stand, resümiert der 8KU-Verband seine erste Bewertung des am Montag vorgelegten Energie-Gutachtens. Der Effekt sei vergleichbar mit einem Fotofinish.
Die Mehrheit der Deutschen ist einer Umfrage zufolge gegen eine Verlängerung der Laufzeiten für Atomkraftwerke um zehn bis 15 Jahre. Im Deutschlandtrend von Infratest dimap sprachen sich 59 Prozent der Befragten gegen diesen Zeitrahmen aus, den Bundeskanzlerin Angela Merkel indirekt befürwortet.
In der Debatte um die Verlängerung der Atomlaufzeiten hat das Bundesumweltministerium laut einem Pressebericht Kritik an jenen Energieszenarien geübt, auf die Bundeskanzlerin Angela Merkel (CDU) ihre Forderung nach längeren Atomlaufzeiten stützt.Strompreise vergleichen
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