Studie

Das sagt das Atom-Gutachten aus

Rückläufige Treibhausgas-Emissionen, aber auch mögliche Milliardenkosten für die Nachrüstung in die Sicherheit der Atomkraftwerke: Die Ergebnisse der Studie zu längeren Akw-Laufzeiten sind vielfältig - und lassen die unterschiedlichsten Interpretationen zu. Die Redaktion stellt die wichtigsten Punkte vor.

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Berlin (afp/red) - In dem Gutachten werden die Auswirkungen einer Laufzeitverlängerung um vier, zwölf, 20 oder 28 Jahre untersucht, verglichen jeweils mit einem Szenario, das von einer Fortschreibung der bisherigen Energiepolitik ohne Laufzeitverlängerung ausgeht. Aus den berechneten Szenarien ergibt sich nach Einschätzung von Bundesumweltminister Norbert Röttgen (CDU), dass die Jahreszahl der Laufzeitverlängerung keinen nennenswerten Einfluss auf den Klimaschutz, die Strompreise oder die Versorgungssicherheit hätte.

So würden laut Gutachten die von der Regierung gesetzten Reduktionsziele beim Treibhausgasausstoßes in allen Szenarien erfüllt oder leicht übererfüllt. Demnach ist bis 2020 ein Rückgang um 40 Prozent vorgesehen, bis 2050 um von 85 Prozent.

Die Strompreise

Bei den Strompreisen ergibt sich laut Röttgen aus dem Gutachten nur eine recht geringe Spanne. Zwischen dem tiefstmöglichen und höchstmöglichen für 2050 prognostizierten Preis für die Kilowattstunde Strom liegen nur 1,8 Cent.

Bundeswirtschaftsminister Rainer Brüderle (FDP) sieht das ganz anders: Er betont mögliche Milliarden-Einsparungen beim Strompreis und "deutlich stärker ausgeprägte Vorteile" für den Wirtschaftsstandort Deutschland bei einer Verlängerung von zwölf bis 20 Jahren und warnt vor einer "wesentlich höheren" Auslastung von Co2-trächtigen Kraftwerken bei kürzeren Laufzeiten.

Der Gesamtüberblick für die kommenden 40 Jahre ergibt einen stärkeren Rückgang der Emissionen bei längeren Laufzeiten. Blieben die Kraftwerke vier Jahre länger als bislang geplant am Netz, wäre der Ausstoß bis 2050 um 24 Prozent geringer als beim Verzicht auf die Laufzeitverlängerung. Bei einer Laufzeitverlängerung von 28 Jahren wären die Emissionen sogar um 30 Prozent niedriger als beim Festhalten am Atomausstieg.

Die Nachrüstkosten

Um die Atomkraftwerke vor möglichen Terrorangriffen zu schützen, sollen sie sicherer gemacht werden - etwa durch eine zusätzliche Hülle. Die Nachrüstkosten für die Meiler fallen um so teurer aus, je mehr die Laufzeitren verlängert werden. Für eine Verlängerung um vier Jahre prognostiziert die Studie Kosten von sechs Milliarden Euro, bei zwölf Jahren von 20 Milliarden, bei 20 Jahren von 36 Milliarden und bei 28 Jahren von knapp 50 Milliarden Euro.

Das weitere Verfahren

Die Ergebnisse des Gutachtens werden in den kommenden Wochen in Regierung und Koalitionsparteien beraten. Am 28. September soll das Bundeskabinett über das neue Energiekonzept entscheiden - einschließlich Verlängerung der Akw-Laufzeiten. Bis dahin dürfte in der Koalition weiter gestritten werden. Dabei geht es auch darum, in welchem Umfang die Energiekonzerne Zusatzgewinne durch längere Laufzeiten abgeben sollen und wofür das Geld verwendet wird.

Die Rolle des Bundesrats

Die Frage, ob der Bundesrat der Laufzeitverlängerung zustimmen muss, ist noch immer strittig. In der Bundesregierung wird davon ausgegangen, dass die Länderkammer das Vorhaben nicht absegnen muss, wenn es um eine moderate Ausweitung der Laufzeiten von einigen Jahren geht. So oder so ist zu erwarten, dass die Angelegenheit vor dem Bundesverfassungsgericht landen wird. Auch deshalb ist die Laufzeitverlängerung eine Sache mit vielen Fragezeichen.