Projekt

Dänische Dong-Gruppe plant Steinkohlenkraftwerk in Lubmin

Der dänische Energiekonzern Dong Energy plant in Mecklenburg-Vorpommern den Bau eines Steinkohlekraftwerks. Voraussichtlich ab 2008 könnten in Lubmin zwei oder drei Blöcke mit einer Leistung von jeweils rund 800 Megawatt errichtet werden, sagte Dong-Vorstand Bjarke Palsson in Kopenhagen der Nachrichtenagentur ddp.

Strompreise© Gina Sanders / Fotolia.com

Lubmin/Kopenhagen (ddp/sm) - Für das Projekt habe Dong gemeinsam mit der deutschen Unternehmensgruppe WV Energie AG in Frankfurt am Main eine Option über ein entsprechendes Grundstück in Lubmin erworben. Die mit der Vermarktung des ehemaligen KKW-Standortes Lubmin beauftragte Energiewerke Nord GmbH (EWN) bestätigte den Verkauf eines Areals unmittelbar neben dem in diesem Jahr eröffneten Industriehafen.

"Wir hoffen, im kommenden Jahr die Genehmigung für das Projekt zu erhalten, so dass ab 2008 gebaut werden kann", sagte der zuständige Projektleiter der Dong-Gruppe, Bjarke Palsson, in Kopenhagen. Für die Errichtung würden bis zu 1000 Spezialisten benötigt. Das mehr als 1,5 Milliarden Euro kostende Kraftwerk könne spätestens im Jahre 2012 mit etwa 125 Mitarbeitern in Betrieb gehen. Das mit einer modernen Rausgasreinigung auszustattende Werk werde höchsten Umweltstandards entsprechen und mit dem technologisch höchstmöglichem Wirkungsgrad Strom produzieren.

Die weltweit bezogene Steinkohle soll von den beiden konzerneigenen Großlagern in Dänemark per Schiff nach Deutschland angeliefert werden. Da größere Massengutfrachter nicht in den vergleichsweise flachen Greifswalder Bodden einlaufen könnten, prüfe man derzeit geeignete Transporttechnologien, sagte Palsson. Vorstellbar sei zum Beispiel die Umladung von Kohle auf hoher See in kleinere Schuten, die regelmäßig den Hafen Lubmin ansteuern könnten. Über die konkrete Umschlagstechnologie sei jedoch noch nicht entschieden worden.

Kritik an den Kraftwerksplänen äußerte die Bürgerinitiative "Zukunft Lubminer Heide". In dem Werk würden jährlich mehr als fünf Millionen Tonnen Kohle verheizt, sagte Vorsitzender Michael Drevlak. Neben den zu erwartenden Abgasen dürften auch Staubentwicklungen beim Kohleumschlag die Tourismusregion bis nach Usedom beeinträchtigen. Zudem drohe durch die Abwärme der in Lubmin geplanten Kraftwerke die Wassertemperatur im Greifswalder Bodden zu steigen.

Die 1972 gegründete Dong-Gruppe befindet sich zu 73 Prozent in dänischem Staatsbesitz. Die restlichen 27 Prozent Anteile teilen sich mehrere Kommunen. Für 2007 ist ein weiterer Aktienverkauf durch den Staat geplant. In Deutschland hatte Dong Energy vor einigen Jahren einen Anteil von 25,1 Prozent an der kommunalen Energie- und Wasserversorgung in Lübeck übernommen.

Der Konzern beschäftigt weltweit etwa 4500 Mitarbeiter. Er betreibt zahlreiche Gas- und Kohlekraftwerke in Dänemark sowie Wasser- und Biomassekraftwerken in Dänemark, Norwegen, Schweden, Belgien, den Niederlanden, Polen, Griechenland, Spanien und Großbritannien. Die Kraftwerksgesamtkapazität liegt bei mehr als 5700 Megawatt. Dong verfügt über mehrere Gas- und Ölfelder in der Nordsee und im Atlantik. Vor zwei Jahren wurden zehn Prozentanteile des rund 40 Milliarden Kubikmeter fassenden Gasfeldes "Ormen Lange" vor der norwegischen Küste erworben, das ab 2007 Gas liefern soll. Darüber hinaus gilt Dong Energy als einer der weltweit führenden Betreiber von Windkraftanlagen und Offshore-Parks.

Von Ralph Sommer

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