Konfliktträchtig

Dämmpflicht für alte Häuser soll offenbar kommen

Die Bundesregierung will einem Pressebericht zufolge Hausbesitzer stärker bei Klimaschutz und Energiewende in die Pflicht nehmen. Um Klimaziele und nötige Einsparungen für die Energiewende zu erreichen, plane der Bund, bestehende Auflagen zur Dämmung von Bauten auf ältere Privathäuser auszuweiten, berichtete die "Bild"-Zeitung vom Montag.

Netzausbau Ökostrom© Gina Sanders / Fotolia.com

Berlin (AFP/red) - Es sei vorgesehen, die Auflagen bei der Dämmung von Wänden, Dächern und Fenstern, die bereits für Neubauten und öffentliche Gebäude gelten, auf bestehende Privathäuser auszuweiten, die etwa saniert werden müssen, berichtete die "Bild"-Zeitung unter Berufung auf ein Papier des Bundesumweltministeriums. Im Falle größerer Renovierungsarbeiten könnten demnach Besitzer privater Eigenheime zu weitreichenden Dämmungsmaßnahmen verpflichtet werden.

Pflicht zur Dämmung soll erneut ausgeweitet werden

Erwogen wird dem Bericht zufolge auch eine schrittweise Verschärfung der Abgasnormen für bestehende Heizkessel, so dass mehr alte Anlagen ausgetauscht werden müssten. An diesen Austausch sollen demnach ebenfalls umfangreiche Auflagen zur Gebäudedämmung geknüpft werden.

Zudem sollen die Gebäudeeigentümer beim Austausch des zentralen Wärmeerzeugers oder Heizkessels verpflichtet werden, einen Teil ihres Wärmeenergiebedarfs durch erneuerbare Energien zu decken, wie die "Bild" berichtete. Geplant seien zunächst zehn Prozent. Dies kann unter anderem durch die Verfeuerung von Energieträgern mit Bio-Anteil erreicht werden.

Härtefallregelung soll "weit gefasst" sein

Das Papier liege derzeit den Bundesministerien für Wirtschaft und Bau zur Stellungnahme vor, hieß es in dem Bericht. Vorgesehen sei, dass es eine "weit gefasste Härtefallregelung" geben solle, die Hausbesitzer vor übergroßen finanziellen Belastungen schützen solle. Ein Heizkessel-Tausch kann schnell mehrere Zehntausend Euro kosten, die nicht durch Förderprogramme abgedeckt werden.

Das Bundesumweltministerium (BMU) wollte den Inhalt des Papiers am Montag nicht bestätigen. Eine Sprecherin sagte lediglich, dass im Ministerium derzeit ein Erfahrungsbericht zum Erneuerbare-Energie-Wärmegesetz abgestimmt werde. Dieser Bericht treffe jedoch keine Festlegungen zu neuen Auflagen oder Vorschriften für Hausbesitzer. Das Dokument sei Basis für eine Neuauflage des Gesetzes. Das Gesetz zielt darauf, den Ausbau erneuerbarer Energien bei der Wärmeversorgung von Gebäuden voranzubringen. Wie das Gesetz aber künftig ausgestaltet werde, sei bislang noch offen, sagte die Sprecherin.

Immobilienwirtschaft lehnte die Pläne umgehend ab

Der GdW Bundesverband deutscher Wohnungs- und Immobilienunternehmen lehnte die in dem Bericht genannten Pläne der Bundesregierung ab. Bereits mit den bestehenden Regelungen zur Energieeffizienz sei für Hausbesitzer "die Grenze des Leistbaren erreicht", erklärte GdW-Präsident Axel Gedaschko. Durch eine weitere Verschärfung bestehender Vorschriften werde die energetische Sanierung für mehr Gebäude als bisher zu kostenaufwendig und daher unrentabel.

Zudem sei zu erwarten, dass schärfere Anforderungen auch Mieter stärker belasteten, kritisierte Gedaschko. Hausbesitzer würden die Kosten für die Wärmesanierung umlegen. Dies könne zu einer weiteren räumlichen Spaltung der Gesellschaft führen, wenn Ärmere zunehmend in unsanierte Wohnungsbestände zögen.

Quelle: AFP