Denkmalschutz

Dach in Mustersiedlung darf Solaranlage bekommen

Der Denkmalschutz steht dem Umweltschutz nicht grundsätzlich entgegen. Das Verwaltungsgericht Berlin gab der Klage zweier Bewohner einer Mustersiedlung statt, die nun auf ihrem denkmalgeschützten Haus eine thermische Anlage zur Brauchwassererwärmung errichten dürfen.

Netzausbau© Günter Menzl / Fotolia.com

Berlin (red) - Das rund 80 Jahre alte Haus der Kläger befindet sich in Berlin-Zehlendorf und ist Teil einer Versuchs- bzw. Mustersiedlung. Die Gebäude der Siedlung "Am Fischtalgrund" wurden mit spitz zulaufenden, ziegelgedeckten Satteldächern ausgestattet, die benachbarte "Waldsiedlung" bekam Flachdächer. Die Dachformen der unterschiedlichen Siedlungen führten zu Kontroversen, die unter dem Namen "Zehlendorfer Dächerkrieg" bekannt wurden.

Denkmalbehörde wollte Fassadenbild bewahren

Die Denkmalbehörde hatte eine denkmalrechtliche Genehmigung für eine Solaranlage auf dem Dach mit der Begründung abgelehnt, die Installation würde auf Jahre zu einer erkennbaren Veränderung an der Originalsubstanz des Hauses führen. Das Fassadenbild mit seinen zeittypischen Einzelheiten gelte es unbeeinträchtigt zu bewahren. Zudem bestehe die Gefahr einer negativen Vorbildwirkung für die gesamte Siedlung. Das Verwaltungsgericht folgte dem nicht (Aktenzeichen 16 K 26.10). Der Denkmalschutz stünde der Genehmigung nicht entgegen.

Erneuerbare Energien sollen gefördert werden

Die Stärkung erneuerbarer Energien sei bei der erforderlichen Interessenabwägung zu berücksichtigen und führe hier zu einem Überwiegen der privaten Interessen an der Errichtung der Solaranlage. Die Anlage beeinträchtige nicht den Zeugniswert der Dachlandschaft, da sie ohnehin an der schlechter einsehbaren Gartenseite montiert werde. Die Einheitlichkeit der Dachgestaltung sei zudem durch Satellitenanlagen und Fernsehantennen schon teilweise verloren gegangen. Einschränkungen im Erscheinungsbild eines Denkmals seien schließlich unter dem Gesichtspunkt Energieeinsparung eher hinzunehmen.