Klausurtagung

CSU sucht Ablass für Atomsünden im Kloster

Seit fast 900 Jahren pilgern Gläubige zum Kloster Andechs am Ammersee. Am Freitag kommt auch der CSU-Vorstand dorthin, um das Energiekonzept der Partei zu beschließen. Dabei dürfte es hoch hergehen, denn beileibe nicht alle Christsozialen unterstützen Seehofers "grünen" Schwenk.

Stromtarife© Andre Bonn / Fotolia.com

München (afp/red) - Bei den Benediktinern von Andechs gilt die Benediktsregel: "Lass dich nicht sofort von Angst verwirren und fliehe nicht vom Weg des Heils." Doch es mag für manchen aufrechten Christdemokraten so scheinen, als habe CSU-Chef Horst Seehofer angesichts der Atomkatastrophe von Fukushima diese Mahnung nicht beherzigt. Im CSU-Energiekonzept steht viel Grünes, aber wenig davon, worin die CSU früher ihr Heil gesucht hat. Seehofer geht das Risiko ein, treue Stammwähler zu überfordern.

Auf der Suche nach dem Umweltprofil

Auf allen Ebenen versucht die CSU derzeit, angesichts der durch Fukushima ausgelösten Ängste ein eigenes Umweltprofil zu entwickeln. Doch spätestens seit Edmund Stoiber 2002 in seinem Kompetenzteam keinen Platz für einen Schatten-Umweltminister fand, trauen nur wenige Wähler der CSU auf diesem Feld etwas zu. Schließlich ist es gerade zehn Monate her, dass Christsoziale im Stadtrat von Landshut die Abschaltung des nahen Atomkraftwerks Isar I forderten - doch stattdessen trug die CSU die Akw-Laufzeitverlängerung mit.

Nun wird Seehofer in Andechs Bundeskanzlerin Angela Merkel (CDU) ein Konzept präsentieren, das "spätestens 2022" alle Akw vom Netz haben will und vor Superlativen strotzt. Von Bayern als Bundesland mit der "höchsten Energieeffizienz", der "saubersten Energieversorgung" und der "Spitze" der Umwelttechnolgien ist dort die Rede. "Und Bayern soll den Umstieg nutzen, um Innovationsvorreiter bei den erneuerbaren Energien zu werden." Der Wille zur Veränderung lässt sich dem CSU-Chef nicht absprechen. Doch wird die CSU auf dem Weg zum Ziel 2022 auch das nötige Durchhaltevermögen haben?

Gegenwind für Seehofer

Seehofer bekam bereits einen Vorgeschmack darauf, dass sein Kursschwenk nicht von allen unterstützt wird. 2020 und damit zwei Jahre früher als nun beschlossen strebte er als Ausstiegsjahr an, sein zum Atomkraftgegner gewandelter Umweltminister Markus Söder hatte dies als Ziel ausgegeben. Doch die an der bayerischen Wählerbasis bestens angebundene Landtagsfraktion setzte 2022 durch, 2025 hätten einige bevorzugt.

Um das vielen Christsozialen übereilt erscheinende Jahr 2022 zu erreichen, will die CSU auf einmal die bisher in Bayern stiefmütterlich behandelte Windkraft fördern. Die CSU will in den bayerischen Staatswäldern und in der Nähe von Autobahnen Windanlagen aufstellen, der Anteil der Windkraft an der Stromproduktion soll von bisher einem Prozent auf zehn Prozent steigen. Insgesamt sollen bis 2020 mehr als die Hälfte des bayerischen Strombedarfs aus regenerativen Quellen stammen.

Wird der Schwenk mitgetragen?

Aber werden die im Bürgerprotest starken Bayern nach jahrelangen Warnungen auch ihrer CSU vor einer "Verspargelung der Landschaft" den Ausbau von Windparks so einfach mitmachen? Und werden sie sich so schnell wie von der CSU erträumt von den Fahrern PS-starker Spritschleudern zu Chauffeuren saubererer Elektroautos wandeln? "Bayern soll - international sichtbar - Leitmarkt und Leitanbieter für Elektromobilität werden", heißt es in dem Konzept. Von einem deutschlandweit einmaligen Feldversuch mit 50.000 bis 100.000 Elektroautos ist die Rede. Dies scheint der Weg zu sein, mit dem sich die Bayern gegen das nun grün-rote Nachbarland Baden-Württemberg profilieren wollen.

Bisher steht dieser grüne Umbau der CSU auf dem Papier und ist vor allem eine Sache Seehofers. Sein Vorgänger als CSU-Chef, Erwin Huber, warnte bereits vor einer grün lackierten CSU. Bundesverkehrsminister Peter Ramsauer (CSU) zerriss den geplanten Ausbau von Windkraft, Photovoltaik oder Gaskraftwerken laut "Spiegel Online" zudem in der CSU-Landesgruppe mit den Worten "Sind die denn verrückt geworden?". Es bedarf also einiger Überzeugungsarbeit, bis Seehofer seine eigenen Leute hinter sich hat. Seine größte Herausforderung wird aber sein, bis 2013 die Wähler davon zu überzeugen, dass es die CSU mit ihrem neu entdeckten Großthema ernst meint.