Forschungsprojekt

Computerprogramm soll Fledermäuse vor Windrädern schützen

Bislang wurden Auswirkungen der Windkraft nur bei Vögeln beachtet. Auch Fledermäuse werden durch die Anlagen jedoch gefährdet. Mithilfe eines neu entwickelten Computerprogramms soll es nun möglich sein, die Anlagen sicherer zu machen und das Sterben der geschützten Tiere zu verhindern.

Stromnetz Ausbau© Gina Sanders / Fotolia.com

Linden/Hamburg/Berlin (red) - Mit dem zunehmenden Ausbau der Windkraft muss auch sichergestellt werden, dass ihr Eingreifen in die Natur nicht entgegen dem Naturschutz arbeitet. Denn nachdem Windkraftanlagen mittlerweile so geplant werden, dass sie keine Vögel mehr gefährden, ist nun bekannt, dass ein anderes Tier durch die Windkraft massiv gestört wird: die Fledermaus. Forscher der Leibniz Universität in Hannover arbeiten deshalb in Kooperation mit der Universität Erlangen-Nürnberg an einem Computerprogramm, das verhindern soll, dass Fledermäuse in den Windrädern zu Tode kommen.

Förderung zugunsten des Ökosystems

Besonders wandernde Fledermausarten sind laut dem Naturschutzbund NABU von der Störung durch Windkraftanlagen betroffen. Die Anzahl der verunglückten Tiere ist jedoch sehr unterschiedlich: Während teils an den Anlagen gar keine toten Fledermäuse gefunden werden, sind an anderen Standorten im Jahr etwa 60 Tiere verunglückt. Da Fledermäuse zu den streng geschützten Arten nach EU-Recht gehören, dürfen sie durch die Nutzung von Windkraft nicht beeinträchtigt werden. Außerdem sind sie hilfreich bei der Schädlingsabwehr - ihr Aussterben könnte das Ökosystem nachhaltig stören. Um das zu verhindern, förderte das Bundesministerium für Umwelt mit 400.000 Euro die Modelluntersuchungen der Forscher, die das Kollisionsrisiko der Fledermäuse mit den Rotorblättern der Windkraftanlagen verringern sollen.

Computerprogramm soll Windräder steuern

Der Leibniz Universität zufolge werden dabei die Anzahl der verendeten Tiere im Anlagenbereich sowie Jahres- und Tageszeit und allgemeine Wetterbedingungen der Kollisionen an 70 Anlagen in Deutschland ausgewertet. Das darauf basierende Computerprogramm soll anschließend mithilfe dieser Daten in der Lage sein, die Windkraftanlagen alle zehn Minuten kurz abzuschalten oder in Zeiten besonderer Aktivität der Tiere die Anlage gezielt anzuhalten. Eine nun beginnende Testphase soll im Sommer 2013 beendet werden, um dann den Erfolg des Programms zu bewerten. Auch eventuelle Einbußen der Anlagenbetreiber durch das Abschalten wird man dann ermitteln können.

Todesursache ist nicht die Kollision

Ein Erfassen der Rotoren mithilfe des Echolot-Systems ist für die Fledermäuse oftmals schwierig, da sie sich dazu oftmals bereits im Gefahrenbereich befinden. Eine Kollision der Tiere mit den Rotorblättern der Windräder ist dennoch nicht die Hauptursache für ihr Verunglücken. Laut Spiegel Online sterben die Fledermäuse in der Regel daran, dass durch den starken Druckabfall an den Rotoren Blutgefäße in ihren Lungen platzen.