EU-Klimapaket

CO2-Zertifikate kosten Industrie bis zu 24,4 Milliarden Euro

Die Vorschläge der EU-Kommission zur Reform des CO2-Emissionshandels werden die deutsche Industrie zwischen 2013 und 2020 bis zu 24,4 Milliarden Euro kosten, wie das Beratungsunternehmen A.T. Kearney errechnet hat. Für die Energiewirtschaft werde die Kostenbelastung bei bis zu 115,2 Milliarden Euro liegen.

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Düsseldorf (red) – Zwei Zukunftsszenarien hat das Beratungsunternehmen A.T. Kearney für den CO2-Handel analysiert. Im "Business as Usual"-Szenario werden die deutschen Industrieunternehmen CO2-Zertifikate für 641,9 Millionen Tonnen CO2 erwerben müssen, was 67 Prozent der in diesem Zeitraum benötigten Zertifikate entspricht. Dieses Szenario geht von einer Fortführung der historischen Produktionsentwicklung und einer Effizienzsteigerung von 1 Prozent pro Jahr aus. Im "EU-Zielvorgabe"-Szenario hingegen reduziere sich die Menge der Zertifikate, die im Rahmen von Auktionen ersteigert oder am Handelsmarkt zugekauft werden muss, auf 501,5 Millionen Tonnen.

Die deutsche Energiewirtschaft müsste den Berechnungen zufolge ohne Ausnahmeregelungen CO2-Zertifikate für 3,03 Milliarden Tonnen ("Business as Usual") beziehungsweise 2,42 Milliarden Tonnen ("EU-Zielvorgabe") zukaufen, was Zusatzkosten von insgesamt 92 bis 115,2 Milliarden Euro bedeute. "Es ist jedoch davon auszugehen, dass die Kosten für die CO2-Zertifikate an die Kunden weitergegeben werden", so Kurt Oswald, Leiter der Studie. "Allerdings wird sich die Wettbewerbsposition der Unternehmen verschlechtern, die einen hohen Anteil an fossilen Erzeugungskapazitäten aufweisen."

Bezogen auf die deutsche Industrie bedeuten die vorgesehenen Regeln der Zertifikatsvergabe je nach Szenario im Zeitraum von 2013 bis 2020 im Extremfall eine zusätzliche Kostenbelastung von 19,1 bis 24,4 Milliarden Euro, sofern es 2010 zu keinen Ausnahmeregelungen für einzelne Branchen kommt. Die höchsten Belastungen würden auf die Roheisen- und Stahlindustrie mit 6,1 bis 7,9 Milliarden Euro zukommen, so A.T. Kearney. Aber auch Raffinerien (4,9 bis 6,2 Milliarden Euro) und die Zementklinkerindustrie (4 bis 5,1 Milliarden Euro) müssten dann mit enormen Zusatzkosten rechnen. Hierbei würden die Zusatzbelastungen jedoch nicht an die Kunden weitergegeben, erwartet Oswald, "denn diese Industrien befinden sich in einem globalen Wettbewerbsumfeld, in dem sie Wettbewerbern gegenüberstehen, die diese Zusatzbelastung in absehbarer Zeit nicht haben werden".

Ohne Ausnahmeregelungen bei einzelnen Branchen wird sich das EU-Energie- und Klimapaket der A.T. Kearney-Analyse zufolge zudem negativ auf die Wettbewerbsfähigkeit insbesondere der deutschen Roheisen- und Stahlindustrie sowie der Raffinerien und der Zementklinkerindustrie auswirken. Die EU sei daher gefordert, für ein ausgewogenes Verhältnis von CO2-Reduktion und Wettbewerbsfähigkeit europäischer Unternehmen zu sorgen, da Europa sonst eine Abwanderung insbesondere energieintensiver Industrien drohe.