Unter Auflagen

CNE genehmigt Endesa-Übernahme durch E.ON (Upd.)

Die spanische Energieaufsichtsbehörde CNE wird die Übernahme des Energieunternehmens Endesa durch den deutschen Energiekonzern E.ON unter Auflagen genehmigen. Das sagte ein Vertreter der spanischen Regierung. E.ON teilte unterdessen mit, keine Berechtigung für die erteilten Auflagen zu sehen.

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Madrid (ddp/sm) - Die spanischen Behörden überlegten derzeit allerdings noch, welche Bedingungen an die Genehmigung geknüpft werden, berichteten der Regierungsvertreter und die Behörde. E.ON teilte unterdessen mit, über die Eckpunkte der Entscheidung der Comisión Nacional de Energía (CNE) gestern Abend mündlich informiert worden zu sein.

Danach habe die CNE die Übernahme unter Auflagen genehmigt. So sei vorgesehen, dass E.ON unter anderem knapp 7600 Megawatt der Erzeugungskapazität von Endesa in Spanien abgibt. E.ON will vor Einleitung weiterer Schritte die schriftliche Entscheidung abwarten, sieht allerdings für die bislang bekannten Auflagen keine Berechtigung und behält sich rechtliche Schritte ausdrücklich vor.

Inzwischen liegt auch eine Stellungnahme der CNE vor. Danach soll E.ON im Falle einer Übernahme neben der genannten Trennung von der Erzeugungskapazität auch das Stromgeschäft auf den Balearen und den Kanarischen Inseln sowie Atom- und Kohlekraftwerke abgegeben. Konkret nannte die Regulierungsbehörde 19 Bedingungen. Damit sollten die Versorgungssicherheit und weitere Investitionen im Energiesektor Spaniens gewährleistet werden.

Wie die spanischen Zeitungen "Cincodias", "Negocios" und "Expansion" am Freitag in in ihren Internetausgaben berichteten, entsprechen die zur Disposition stehenden 7600 Megawatt Stromproduktionskapazität 30 bis 35 Prozent der Endesa-Kapazität in Spanien beziehungsweise 40 Prozent der Stromproduktion des spanischen Konzerns in seinem Heimatland. Den Berichten zufolge müsse der Endesa-Hauptsitz müsse zehn Jahre in Spanien angesiedelt sein. Der Regulierer behalte sich außerdem das Recht vor, die Bedingungen zu überarbeiten, sollte ein drittes Unternehmen mehr als 50 Prozent an E.ON kaufen. Es sollten alle Stromerzeuger, die mit subventionierter spanischer Kohle betrieben werden verkauft werden..

E.ON hatte im Februar ein 29-Milliarden-Euro-Übernahmeangebot für Endesa veröffentlicht. Nach der Zahlung einer Sonderdividende des spanischen Unternehmens hatte der Düsseldorfer Strom- und Gasversorger seine Offerte aber Anfang Juli auf knapp 27 Milliarden Euro gesenkt. Die EU-Kommission hatte die geplante Übernahme bereits Ende April ohne Auflagen genehmigt.

E.ON würde mit der Übernahme von Endesa zum weltgrößten Anbieter von Strom und Gas werden. E.ON-Vorstandschef Wulf Bernotat schaut vor allem auf lukrative Wachstumsmärkte in Südeuropa und Südamerika. Nach einem Zusammenschluss käme E.ON auf über 50 Millionen Kunden in mehr als 30 Ländern in Europa, Nord- und Südamerika. Das Unternehmen würde jährlich über 600 Terawattstunden Strom und über 900 Terawattstunden Gas verkaufen. Der Unternehmenswert des fusionierten Konzerns würde nach E.ON-Berechnungen auf über 130 Milliarden Euro steigen - und damit die bisherige Nummer eins der Branche, die Energie de France (EdF), abhängen.

Die Kompetenzen der CNE sind unterdessen umstritten. Die Entscheidung der Energiebehörde gilt als politisch motiviert. Schließlich hatte die spanische Regierung die CNE erst unmittelbar nach dem Angebot von E.ON kurzfristig ermächtigt, die Fusionspläne zu prüfen. Ministerpräsident Jose Luis Rodriguez Zapatero sähe lieber einen Zusammenschluss von Endesa und der kleineren Gas Natural, die rund 21 Milliarden Euro für Endesa bietet, und damit eine nationale Lösung.

Die Haltung Spaniens war vor allem in Brüssel auf scharfe Kritik gestoßen. EU-Wettbewerbskommissarin Neelie Kroes hatte Zapatero wiederholt aufgefordert, die E.ON-Offerte nicht wegen protektionistischer Motive zu behindern. Jetzt bekam die Regulierungsbehörde Rückendeckung vom spanischen Finanzminister David Vegara. Die Entscheidungen der Behörde respektierten die Regeln der EU, sagte er. Die EU-Kommission hatte die geplante Übernahme bereits Ende April ohne Auflagen genehmigt. Sie hatte darauf verwiesen, dass es nur wenige sich überschneidende Geschäftsbereiche gibt und daher keine kartellrechtlichen Probleme durch einen Zusammenschluss zu sehen seien.

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