Energiekongress Rheinland-Pfalz

Club of Rome fordert neue Werte in der Klima- und Energiepolitik

"Die Erde hat Fieber, die Klimawende läuft", warnte Max Schön vom Clubs of Rome. Deutschland brauche dringend eine Debatte um neue Werte in der Klima- und Energiepolitik, und es müsse weiter Vorbild im Umweltschutz sein. Umweltministerin Conrad fordert eine Erneuerung bestehender Kraftwerke.

Strompreise© Gina Sanders / Fotolia.com

Mainz (ddp-rps) - Max Schön, Vorsitzender der deutschen Sektion des Clubs of Rome, der sich für eine "Welt im Gleichgewicht" einsetzt, vertrat die Visionen der Organisation auf einem Energiekongress der Mainzer Landesregierung. Die setzt in ihrem Energiekonzept vor allem auf die vier "E": Einsparung, Effizienzsteigerung, Erneuerbare Energien und eigene Stromerzeugung im Land.

Die rheinland-pfälzische Umweltministerin Margit Conrad (SPD) kündigte eine Energieeffizienzkampagne im Gebäudebereich an, forderte aber auch eine Erneuerung der Technologie bestehender Kraftwerke. "Ich stehe zu einem Energiemix mit erneuerbaren Energien, aber wir werden auch Techniken wie Kohle oder Gas brauchen", sagte Conrad. Das Land wolle seinen Anteil erneuerbarer Energien von derzeit etwa zwölf Prozent auf rund 25 Prozent im Jahr 2020 verdoppeln. Erneuerbare Energien wie Wind- oder Wasserkraft seien aber nicht rund um die Uhr verfügbar, dafür brauche es Kohle- oder Gaskraftwerke, die kurzfristig zugeschaltet werden könnten. Auch müsse Deutschland auf die Wettbewerbsfähigkeit seiner Industrie achten und dürfe sich "industriepolitisch nicht enthaupten".

Die Grünen kritisierten, das Energieprogramm bleibe "oberflächlich und unvollständig". Konkrete Maßnahmen fehlten, Programme zur CO2-Reduzierung würden "mit keinem Wort erwähnt", sagte Landeschefin Eveline Lemke-Ziebeil. Wer übergangsweise auf Kohle als Energieträger setze, habe "die Dramatik des Klimawandels immer noch nicht erkannt" und setze auf einen "Energieträger der Vergangenheit".

Für Kohle als Energieträger sprach sich indes auch BASF-Vorstandsvize Eggert Voscherau aus. Die Industrie in Deutschland dürfe nicht "durch ein irrationales Vorgehen bestraft" werden, sagte er und forderte "gleiche Spielregeln weiltweit". Mit gerade 3,2 Prozent deutschem Anteil am weltweiten CO2-Ausstoß werde sich der Klimaschutz "nicht isoliert durch uns" entscheiden. "Ohne einen funktionierenden Industriestandort Deutschland, bei dem die Schornsteine rauchen, hat der Klimaschutz auf der Welt keine Chance", sagte Voscherau.

Eine moderne Energiestrategie sei kein "Zurück auf die Bäume", sagte Wolfgang Feist vom Passivhaus-Institut. Eine Effizienzsteigerung bei Gebäuden sei technisch längst machbar, "auch für die Industrie". Jörg Baumgärtner von der Geothermie-Projektfirma Bestec verwies darauf, dass in der Erdtiefe "gigantische" Energiepotenziale schlummerten. Moderne Energietechnologien seien einer der Wachstumsmärkte der Zukunft, unterstrich auch der Geschäftsführer von Schott Solar, Winfried Hoffmann. 70 Prozent der Primärenergienutzung könnten bereits mit Solartechniken abgedeckt werden.

Auch der Club of Rome setzt auf diese modernen Technologien: Schön warb für ein Projekt, bei dem solarthermische Kraftwerke in der Wüste Nordafrikas entstehen sollen. Dort lägen enorme Potenziale an Energie, zudem könnten neue Kraftwerksanlagen der afrikanischen Wirtschaft helfen und so Flüchtlingsströme vermeiden. Neue Perspektiven gebe es eben nur durch Handeln, sagte Schön. Das Bewusstsein müsse sich ändern, damit jeder sage: "Ich bin das Klima."