Fünf Jahre weniger

China: Kohleheizung verkürzt Lebenserwartung

Das großflächige Heizen chinesischer Haushalte mit gratis abgegebener Kohle hat die Lebenserwartung in den betroffenen Gebieten um durchschnittlich fünf Jahre verkürzt. Dies ist das Ergebnis einer am Montag veröffentlichten Studie am Massachusetts Institute of Technology (MTI), an der sich Forscher aus China und Israel beteiligten.

Kohle© Katarzyna M. Wächter / Fotolia.com

Washington (AFP/red) - Sie fanden heraus, dass die Lebenserwartung nördlich des Huai-Flusses in der Volksrepublik China um durchschnittlich fünfeinhalb Jahre kürzer war, weil die staatliche Fürsorgepolitik dort über Jahrzehnte die Abgabe von Kohle zum Heizen für alle Bedürftigen vorsah.

Deutlich mehr Atemwegs- und Herzerkrankungen

Die in die Luft gelangten Ruß-Partikel verursachten Atemwegs- und Herzerkrankungen; das sei "fast vollständig" für die höhere Sterblichkeitsrate verantwortlich, erklären die Forscher. Im Untersuchungszeitraum von 1981 bis 2001 lagen die Werte nördlich des Flusses demnach um 55 Prozent höher als im Süden - was 184 Mikrogramm Partikel pro Kubikmeter Luft mehr entspricht.

Die Belastung durch mit Partikeln verschmutzte Luft über einen längeren Zeitraum habe "dramatische Folgen für die Lebenserwartung", sagte der Leiter der Studie, der Umweltökonomen Michael Greenstone. Dies könne nun "mit größerer Sicherheit" gesagt werden. Den Schätzungen zufolge könnte die Politik der kostenlosen Heizkohle für die 500 Millionen Menschen im Norden 2,5 Millionen Lebensjahre gekostet haben, schreiben die Wissenschaftler.

Unbeabsichtigte Konsequenzen

Greenstone nahm die chinesischen Behörden vor dem Verdacht in Schutz, von den verheerenden Auswirkungen gewusst zu haben. "Das waren die unbeabsichtigten Konsequenzen einer Politik, die als sehr sinnvoll erschienen sein muss." Der größte Fehler sei gewesen, dass die Politik nicht für die notwendige Installierung von Filtern gesorgt habe.

Quelle: AFP