Fernkälteversorgung

Chemnitz: Erster Großkältespeicher Deutschlands geht in Betrieb

Am kommenden Freitag geht in Chemnitz der nach Betreiberangaben erste Kurzzeit-Großkältespeicher Deutschlands in Betrieb. In dem 19 Meter hohen Tank könnten 3500 Kubikmeter kaltes Wasser gespeichert und in Spitzenzeiten in die Fernkälteversorgung eingespeist werden, teilte die Stadtwerke Chemnitz AG mit.

Strompreise© Gina Sanders / Fotolia.com

Chemnitz (ddp-lsc/sm) - Die Anlage wurde gemeinsam mit der Professur Technische Thermodynamik an der Technischen Universität (TU) Chemnitz entwickelt. Sie soll deutschlandweit als Pilotprojekt beim Aufbau und der Umrüstung von Kühlsystemen dienen. Das Bundesministerium für Wirtschaft und Technologie förderte das 890.000 Euro teure Vorhaben mit 588.000 Euro. Davon erhielten die Stadtwerke als Investor 342.000 Euro. In die begleitende Forschung flossen 246.000 Euro.

Die Stadt Chemnitz verfügt bereits seit 1973 über ein Fernkältesystem zur Klimatisierung von Gebäuden. Nach Angaben von Stadtwerke-Vorstand Uwe Barthel ist die Zahl der Abnehmer durch die in den letzten zehn Jahren erfolgte Neubebauung der Innenstadt erheblich gewachsen. "Doch Kälte als eine Form von Energie wird meist dann gebraucht, wenn man sie nicht erzeugt. Daraus entstand die Idee des Speichers", sagt Barthel. Der neue Speicher ermögliche eine bedarfsgerechtere Abgabe der Kälte insbesondere im Hochsommer. Durch Nutzung von Fernwärme aus einem Heizkraftwerk mit Kraft-Wärme-Kopplung sei die Technologie umweltfreundlich und effektiv.

Der Tank nehme 3500 Kubikmeter Wasser auf. Auf fünf Grad Celsius gekühlt, reiche es aus, die Abnehmer in der Chemnitzer Innenstadt - darunter Universität, Opernhaus, Museen und Einkaufszentren - fünf Stunden lang mit Kälte zu versorgen. Diese oberirdische Kurzzeit-Speicherung sei neu, während es ein großes Langzeit-Kältedepot beispielsweise unter dem Reichstag in Berlin gebe.

SWC-Betriebsleiter Wärme/Kälte Ulf Uhlig hebt besonders die Umweltfreundlichkeit des Gesamtsystems hervor: "Würden unsere Kunden die gleiche Menge Kälte mittels Elektroenergie aus herkömmlichen Energieträgern selber erzeugen, fielen etwa 3700 Tonnen Kohlendioxid pro Jahr an. Da wir überschüssige Wärme aus dem Kraftwerk nutzen, können 3200 Tonnen davon vermieden werden.» Die Fernkälte sei zudem eine Möglichkeit zur Erhöhung der Energieeffizienz. Würden durch Kraft-Wärme-Kopplung im HKW Nord 70 Prozent der eingesetzten Brennstoffe ausgenutzt, steige der Wirkungsgrad mit der kontinuierlichen Kälteversorgung schon auf 70,5 Prozent.

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