Absenkung des Energieverbrauchs

Chemiebranche: Zum Energiesparen alle Chancen nutzen

Um den Einsatz von nachwachsenden Rohstoffen auch in der chemischen Industrie voranzutreiben, müssten gesetzliche Hürden beseitigt und die Grundlagenforschung in Deutschland vom Bund stärker gefördert werden. Das forderte Dr. Jürgen Hambrecht, Präsident des Verbandes der Chemischen Industrie (VCI), kürzlich in Potsdam.

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Frankfurt/Main (red) - Die wirksamste Maßnahme, um Wirtschaft und Gesellschaft langfristig weniger abhängig von fossilen Ressourcen zu machen, sei die Absenkung des Energieverbrauchs. "Damit erreichen wir mit Abstand am meisten für die Ressourcenschonung in Deutschland", erläuterte Dr. Jürgen Hambrecht, Präsident des Verbandes der Chemischen Industrie (VCI), kürzlich in Potsdam.

Allein durch einen flächendeckenden Einsatz von modernen Dämmstoffen im Altbaubestand könnten jährlich über 65 Millionen Tonnen Erdöl und Erdgas für Heizzwecke eingespart werden. Außerdem müsse man intensiv daran arbeiten, so der VCI-Präsident, neue Energiequellen zu erschließen. Hambrecht warnte dagegen vor zu hohen Erwartungen an den Einsatz nachwachsender Rohstoffe mit Blick auf die Einsparung fossiler Ressourcen. Speziell die chemische Industrie benötige nur vier Prozent vom gesamten Erdölbedarf in Deutschland als Rohstoff für die Produktion.

Um den Einsatz von nachwachsenden Rohstoffen auch in der chemischen Industrie voranzutreiben, müssten gesetzliche Hürden beseitigt und die Grundlagenforschung in Deutschland vom Bund stärker gefördert werden. "Nachwachsende Rohstoffe bieten eine Menge Chancen für unsere Branche. Ihr Innovationspotenzial können wir aber nur mit der Bio- und Gentechnik ausschöpfen", betonte Hambrecht in Potsdam. Der VCI-Präsident kritisierte in diesem Zusammenhang das vor kurzem novellierte Gentechnik-Gesetz als "ebenso bleischweren wie unnötigen Hemmschuh".

Als kontraproduktiv für die industriellen Chancen nachwachsender Rohstoffe wertete der VCI-Präsident und BASF-Chef staatlich vorgegebene Verwendungsquoten oder eine Förderung durch Energiepreisaufschläge analog zum Erneuerbare-Energien-Gesetz (EEG). Danach soll die chemische Industrie bis 2020 ihren Rohstoffbedarf zu einem Viertel aus Biomasse decken. "Solche Instrumente untergraben die Wettbewerbsfähigkeit neuer Produkte und leisten nur unwirtschaftlichen Lösungen Vorschub", sagte Hambrecht. Auch der Einsatz nachwachsender Rohstoffe müsse sich an den Bedingungen des Marktes orientieren: "Produkte oder Verfahren auf dieser Basis müssen wirtschaftlich, technisch und ökologisch eine bessere Alternative zum Erdöl darstellen."