Ausstieg erstmal bindend

CDU-Politiker Müller stellt längere AKW-Laufzeiten in Frage

Der saarländische Ministerpräsident Peter Müller hat die Forderung nach längeren Laufzeiten für Atomkraftwerke infrage gestellt. "Es gibt einen Fahrplan, wie der Ausstieg aus dieser Brückentechnologie stattfindet. Der ist zunächst einmal verbindlich", sagte er der "Financial Times Deutschland". "Für mich ist die Frage einer Verlängerung der Laufzeiten der Kernkraftwerke nicht prioritär."

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Hamburg (afp/red) - Statt den von Rot-Grün beschlossenen Atomausstieg wieder rückgängig zu machen, wäre es sinnvoller, auf Basis der geltenden Gesetzeslage eine sichere, kostengünstige und nachhaltige Energieversorgung zu erreichen, sagte Müller. "In diesem Sinn arbeiten wir an einer Zukunft ohne Kernenergie." In der kommenden Woche beginnen auf Bundesebene die Koalitionsverhandlungen zwischen Union und FDP. Beide Seiten hatten sich vor der Wahl dafür ausgesprochen, die Laufzeiten der deutschen Atommeiler zu verlängern.

Der Sprecher der bundesweiten Anti-Atom-Organisation "ausgestrahlt", Jochen Stay, begrüßte die Bedenken Müllers. "Jetzt wird öffentlich, dass in der Atompolitik auch ein tiefer Riss durch die zukünftigen Regierungsparteien geht", teilte Stay in Hamburg mit. "Eine Mehrheit der CDU-Wähler lehnt Laufzeitverlängerungen ab. Und eine ganze Reihe prominenter Christdemokraten sieht das ähnlich." Union und FDP werde Schritt für Schritt klar, "dass eine Pro-Atom-Politik zu großen gesellschaftlichen Verwerfungen führen wird".