Weitere Transporte

Castortransport im November wohl doch nicht der letzte

Der im November erwartete Castortransport nach Gorleben ist entgegen offiziellen Ankündigungen wohl doch nicht der letzte aus der französischen Wiederaufarbeitungsanlage La Hague. 2014 soll erneut ein Transport in Frankreich auf die Reise gehen.

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Gorleben (dapd/red) - Dies sagte der Sprecher der Gesellschaft für Nuklearservive (GNS), Jürgen Auer, am Dienstag auf dapd-Anfrage. Ab 2014 würden in Gorleben zudem mehrere Castortransporte mit hochradioaktivem Müll aus Großbritannien erwartet.

"Castor-Wahnsinn geht weiter"

Niedersachsens Ministerpräsident David McAllister (CDU) hatte kürzlich erklärt, im November werde es den "auf absehbare Zeit letzten Castortransport nach Gorleben" geben. Die Bürgerinitiative (BI) Umweltschutz Lüchow-Dannenberg sprach am Dienstag von "Täuschungsversuchen" des Ministerpräsidenten. "Der Castor-Wahnsinn geht weiter", sagte BI-Sprecher Wolfgang Ehmke.

Mit seiner Ankündigung, es werde nach November auf absehbare Zeit keinen weiteren Castor-Transport nach Gorleben geben, habe McAllister 2012 und 2013 gemeint, sagte ein Regierungssprecher daraufhin. "2014 wiederum kommt möglicherweise wieder ein Castor-Transport."

Anders als bei den bisherigen Transporten aus Frankreich mit hochradioaktivem Müll handele es bei dem für 2014 geplanten Castortransport um mittelradioaktive Abfälle aus dem Wiederaufarbeitungsprozess, sagte Auer. Sie sollten in elf Castorbehältern ins Gorlebener Zwischenlager gebracht werden.

Abfälle müssen zurückgenommen werden

Grundlage für die Rücknahme dieser Abfälle sei dieselbe Vereinbarung zwischen Frankreich und Deutschland wie für den hochradioaktiven Müll. "Wir müssen alle Abfälle aus La Hague zurücknehmen", sagte Auer. BI-Sprecher Ehmke sprach dagegen von "privatwirtschaftlichen Verträgen" zwischen den deutschen AKW-Betreibern und dem Betreiber der Wiederaufarbeitungsanlage La Hague.

Aus der britischen Wiederaufarbeitungsanlage Sellafield sollen Auer zufolge wahrscheinlich zwischen 2014 und 2017 noch insgesamt 20 bis 21 Castorbehälter mit hochradioaktivem Müll nach Gorleben rollen. Die GNS ist ein Tochterunternehmen der großen Energiekonzerne. Sie betreibt unter anderem die Atommüllzwischenlager in Gorleben und Ahaus.

Bitte um Aufklärung

Unterdessen hat die Europaabgeordnete der Grünen, Rebecca Harms, Niedersachsens Umweltminister Hans-Heinrich Sander (FDP) um Aufklärung über die künftigen Castortransporte nach Gorleben gebeten. Sie wolle unter anderem wissen, wie viele Transporte noch geplant seien, von wo sie kämen und welche Materialien sie enthalten, sagte Harms.

Im Gorlebener Castor-Lager stehen bislang 102 Behälter mit hochradioaktivem Müll. In der aus Stahlbeton errichteten Halle dürfen laut Genehmigungsbescheid bis zu 420 Castoren gelagert werden. Auf dem Areal bei Gorleben befinden sich außerdem noch ein Lager für schwach und mittelaktive Abfälle und eine sogenannte Pilotkonditionierungsanlage. Das Erkundungsbergwerk für ein Endlager liegt in der Nähe.