Untersuchungen fortgesetzt

Carstensen: Atomkraftwerk Brunsbüttel geht 2009 vom Netz

Experten haben heute die Untersuchung des Sicherheitsbehälters im AKW Brunsbüttel fortgesetzt. Unterdessen muss Vattenfall wohl die Hoffnung auf eine Verlängerung der Laufzeit aufgeben, Ministerpräsident Carstensen meint, diese sei nach den jüngsten Vorfällen nicht mehr durchsetzbar.

Stromnetz Ausbau© Gina Sanders / Fotolia.com

Kiel (ddp-nrd/sm) - Bislang seien bei den Untersuchungen "nur kleinere Befunde entdeckt worden, die erst noch bewertet werden müssen", sagte der Sprecher des für Reaktoraufsicht zuständigen Kieler Sozialministeriums, Oliver Breuer, am Dienstag auf ddp-Anfrage. Eine abschließende Bewertung sei erst am Mittwoch möglich.

Die Sachverständigen begutachten seit Montag unter anderem die im Sicherheitssystem in der vergangenen Woche entdeckten fehlerhaften Halterungen für Rohrleitungen des Not- und Nachkühlsystems. Drei Halterungsplatten mit zu großen Bohrlöchern wurden ausgetauscht. Bei den Arbeiten wurde ein Dübel entdeckt, der vom vorgesehenen Sitz abweicht.

Wie am Montag bekannt wurde, hatte es in den Siedewasserreaktoren Gundremmingen, Krümmel und Brunsbüttel bereits vor 2001 Wasserstoff-Explosionen gegeben. Ein Sprecher des Kieler Sozialministeriums sprach heute jedoch von "abgeschlossenen Vorgängen". Es gebe keinen Zusammenhang zwischen den Vorfällen von 1987 und 1999 und der Wasserstoff-Explosion in Brunsbüttel 2001. Nach den ersten Zwischenfällen seien Gegenmaßnahmen getroffen worden. So seien beispielsweise Katalysatoren eingebaut worden.

Laufzeitverlängerung nicht durchsetzbar

Schleswig-Holsteins Ministerpräsident Peter Harry Carstensen (CDU) erwartet, dass das AKW Brunsbüttel wie geplant im Jahr 2009 abgeschaltet wird. "Nach den jüngsten Ereignissen gehe ich nicht mehr davon aus, dass eine Verlängerung der Restlaufzeiten politisch noch durchsetzbar ist", sagte er den "Lübecker Nachrichten" (Dienstagausgabe). Er bedauere das, aber er habe nicht darüber zu entscheiden. Zwar sei die Übertragung von Restlaufzeiten im Atomkonsens ausdrücklich vorgesehen, sagte der Ministerpräsident. Aber nach den Zwischenfällen in Brunsbüttel und Krümmel gebe es eine völlig neue Situation.

"Die Diskussionslage hat sich verändert", erklärte Carstensen. Schleswig-Holsteins Wirtschaftsminister Dietrich Austermann (CDU) hatte sich zuletzt immer wieder für die Übertragung von Restlaufzeiten auf ältere Atomreaktoren wie Brunsbüttel ausgesprochen.

Der Kieler Innenminister Ralf Stegner (SPD) begrüßte, dass der Regierungschef den politischen Kampf um die Laufzeitverlängerung für beendet erklärte. "In der SPD gab es nie einen Zweifel, dass die Vereinbarungen im Koalitionsvertrag Bestand haben würden", sagte Stegner. Er hoffe, dass nun alle Kabinettsmitglieder am gleichen Strang ziehen.